Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das beste Fasten der Welt der Woche

Nach Einbruch der Nüchternheit

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Danke, ich trinke keinen Alkohol.“ Ein Satz, mit dem man in Gesellschaften erstaunte, ungläubige, bisweilen auch nur mitleidige Blicke erntet. "Wieso?“ "Echt jetzt?“ "So viel hast du doch gar nicht getrunken?“

Es ist ja nicht für immer. Nur einen Monat lang, und das dreimal im Jahr. Alkoholfasten funktioniert vielleicht nicht für jeden, aber der maßvolle Gewohnheitstrinker (zwei, drei Glas Bier oder Wein pro Abend) profitiert Mind-, Body- & Soul-mäßig ungemein von dieser abgedrehten Experience. Die Idee dahinter ist, ehrlich gesagt, sich selbst immer wieder mal zu beweisen, dass es auch noch ohne geht. Präziser: Es kann nicht schaden, regelmäßigen Alkoholkonsum mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu brechen. Zugegeben: Der erste Abend ist hart. Die Arbeit ist getan, das Essen steht praktisch schon auf dem Tisch, man öffnet den Kühlschrank und ist nur noch einen Handgriff vom weißen Spritzer entfernt. Wenn es einem in dieser Situation gelingt, zu Schwiegermutters Apfelsaft zu greifen, ist man - im Ratgeberjargon gesprochen - schon ein Gewinner, yeah!

Der erstaunlichste Tag ist der zweite, an dem sich ein regelrechter Nüchternheitsflash einstellt, wenn der Körper signalisiert: "Hey, ich bin auf 0,0!“ Hielt man ein Essen ohne Wein noch vor kurzem für undenkbar, geht das plötzlich ganz leicht. Jetzt nur nicht vom rechten Weg abbringen lassen! Vielleicht würde man mit übermüdeten Kindern nach einem Bier lockerer umgehen, aber dafür kriegt man stocknüchtern auch spätabends noch Hausarbeit geregelt.

Schwierig wird es erfahrungsgemäß erst nach etwa 25 Tagen. Dann wird das Nicht-Trinken langsam zur Quälerei, man denkt langsamer, ja, man stumpft regelrecht ab. Zeit, dem Ganzen langsam ein Ende zu bereiten. In diesem Sinne: Prost!


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