Blut am Hemd, Gabel im Aug

Feuilleton | Rundgang: Nicole Scheyerer | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

In einer großen Retrospektive würdigt die Albertina das Gesamtwerk von Gottfried Helnwein

Bereits als kleiner Bub fühlte er, dass etwas nicht stimmte. Seine Eltern waren gebrochene Menschen. Ein vornehmes, älteres Ehepaar aus der Nachbarschaft wurde nur im Flüsterton "die Juden“ genannt. Also lernte der Bub schon bald lesen, um endlich mehr zu erfahren. Aber was die Zeitungen berichteten, verstand er wiederum nicht: Bei Kriegsverbrecherprozessen wurden offensichtliche Mörder freigesprochen.

Ja, Gottfried Helnwein erinnert sich noch gut an das Wien der 1950er-Jahre. "Die Kindheit ist die interessanteste Phase des Lebens, weil noch alle Möglichkeiten offenstehen“, erklärt der vierfache Vater sein Lieblingssujet. "Ich bin der Erste, der Kinder zum Zentralthema seiner Kunst gemacht hat.“

Und was für welche: Bereits auf dem Aquarell, mit dem sich Helnwein 1969 auf der Akademie der bildenden Künste beworben hat, spritzt Blut aufs Rüschenkleiderl. Professor Rudolf Hausner erkannte


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