Viel Form und wenig Haltung

Feuilleton | Rundgang: Matthias Dusini | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Unter dem Kurator Massimiliano Gioni verzichtet die Venedig-Biennale auf Politik und verflacht die Historie zum Historizismus

Harry, ich bitte dich von ganzem Herzen: Höre bitte auf mit diesen Gag-Ausstellungen“, schrieb die Mutter Harald Szeemanns im Jahr 1969 an ihren Sohn. Der hatte damals in der Kunsthalle Bern eine Ausstellung mit dem Titel "When Attitudes Become Form“ kuratiert, die von den Schweizer Medien mit Hohn und Spott bedacht wurde, heute jedoch als wegweisendes, den Übergang zwischen moderner zu zeitgenössischer Kunst markierendes Projekt gilt.

Die private Fondazione Prada eröffnete in einem heruntergekommenen Palazzo am Canal Grande ein Remake der Berner Ausstellung, die der zeitgleich eröffnenden Kunstbiennale die Show stiehlt. Werk für Werk, Raum für Raum wurden die formgewordenen Haltungen rekonstruiert, und damit auch der exemplarische Versuch, das Dreieck Atelier-Museum-Galerie aufzusprengen. Künstler wie Richard Long oder Richard Serra, damals noch Jungspunde


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