Kraliceks Festwochentagebuch  Notizen eines Festivalbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück (4)

"Hallelujah“ kann ich nicht mehr hören

Feuilleton | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Dienstag, 28. Mai: Liebes Tagebuch! Eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen man den Intendanten Luc Bondy bei seinem Festival zu Gesicht bekommt, ist der Schlussapplaus bei den Premieren seiner eigenen Inszenierungen. Heute war es wieder so weit: Im Akademietheater hatte Bondys Molière-Inszenierung "Tartuffe“ Premiere. Die brutale Komödie vom frömmlerischen Heuchler Tartuffe, der sich im Haus des frommen Orgon einnistet und am Ende fast dessen Existenz zerstört, spielt in einem stilistisch zwischen Ikea-Küche und Landhaus-Kitsch angesiedelten Raum, in dem Bühnenbildner Richard Peduzzi gezählte fünf Kruzifixe und eine Christusstatue untergebracht hat.

Zu kühnen Deutungen rafft sich ein altmeisterlicher Regisseur wie Bondy längst nicht mehr auf; die Luxusbesetzung ist bei ihm schon die halbe Miete. Für die Zofe Dorine etwa wurde Edith Clever engagiert; sie legt sie als besserwisserische Squaw an. Den Orgon spielt Gert Voss nicht als lächerlichen Trottel, sondern als tragikomischen


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