Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Vom Reiz der Gefahr

Steiermark | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Der Wiener Philosoph Robert Pfaller ist kein Freund des gesellschaftlichen Reglementierungsrausches, ihm schwebt ein ganz anderer vor. Vor einer Weile meinte er in der Zeit: "Die Öffentlichkeit wird zu einer Sphäre von Verboten und von Verzicht.“ Ständig befinden wir uns in einer Vermeidungshaltung: "Deshalb trinken wir Bier ohne Alkohol, essen Margarine ohne Fett und haben im Internet Sex ohne Körperkontakt.“

Was hat das nun mit dem steirischen Veranstaltungsgesetz zu tun, das Ende vorigen Jahres novelliert wurde und jetzt aufgrund von Protesten nach wenigen Monaten neuerlich überarbeitet wird? Nach Meinung der Betroffenen brachte das neue Gesetz vor allem Verschärfungen - Bürokratiemehraufwand, Sicherheitspersonalaufstockung, Toilettenmindestzahlvorschreibung. Man mag es dem Gesetzgeber zugutehalten, dass er sich um unser Wohlergehen sorgt. Aber ist es nicht auch so, dass jemand, der feiert, die Gefahr spüren, dem Reiz der Unvernunft erliegen will? Sicher, dass man auf Großveranstaltungen wie der Ski-WM in Schladming, die übrigens auch ein Anstoß für den Relaunch war, ein strenges Auge werfen muss, ist nachvollziehbar.

Wenn nun aber vom Landesfeuerwehrverband über Kulturinstitutionen bis zur Arbeiterkammer so ziemlich alle gegen das Veranstaltungsgesetz protestieren, dann ist da wohl etwas schiefgelaufen. Und es ist gut, dass aufgrund des öffentlichen Drucks eine Überarbeitung vorgenommen wird. Schade ist nur, dass gesellschaftspolitische Überlegungen in dieser Diskussion nie eine Rolle gespielt haben. Wer Gehör finden will, muss zumindest einmal das Zauberwort "Wirtschaftsstandort“ aussprechen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige