Wem der Pinsel nicht reicht, der malt mit Spiegeln, Computermaus oder den Fingern

Nicole Scheyerer | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Spitze Nase, schiefes Ohr und grobe Beißerchen: Eine Selbstkarikatur auf dem Plakat macht den Auftakt zur ersten Wiener Personale von Albert Oehlen im Mumok. Zuletzt war der deutsche Künstler dort 2008 bei der Schau "Bad Painting" als Proponent einer bewusst schlechten Malerei vertreten. In den frühen 1980er-Jahren wurde der Kunstbetrieb auf den Provokateur im Anzug aufmerksam, der braun-schwarze Abstraktionen mit Bildtiteln wie "Kotzimmer" versah. Die Farbe Braun bleibt für Oehlens Malerei auch später wichtig.

Der 1954 in Krefeld zur Welt gekommene Künstler malte sich schon damals gerne selbst und bezeichnete seinen Stil als "postungegenständlich". An punkiger Attitüde und widerständigen Bilderfindungen ließ es Oehlen nie mangeln, sein Humor hat viel mit dem seines Freundes Martin Kippenberger gemeinsam. Peinlichkeit ist eine Qualität, die er durch Anleihen, etwa bei Trashkultur, herstellt. Oehlens Projekt muss als Konterpunkt zur abstrakten Malerei seit den 1960er-Jahren gelesen werden, deren Reduktions-und Reinheitsgebote er mit Füßen tritt.

Unter den 80 nun versammelten Gemälden, Collagen, Inkjet-Drucken, Zeichnungen und Installationen befinden sich auch die riesigen, düster anmutenden "Spiegelbilder". Die zwischen 1982 und 1985 entstandene Serie treibt räumliche Effekte durch die Anbringung echter Spiegel an den Leinwänden auf die Spitze. Aus der jüngeren Zeit wird ein vierteiliger Bildzyklus präsentiert, bei dem der auch am Kunstmarkt äußerst erfolgreiche Wahlschweizer Collagetechnik und schmierige Fingermalerei kombiniert.

Beizeiten delegiert der Künstler den Schöpfungsakt auch an den Computer: Er überlässt dann Grafikprogrammen die Komposition seiner Werke. Für seine anti-puristische Bildsprache müssen auch Flyer, etwa von Pizza-Services oder Billigreisen, herhalten. Dann greift Oehlen wieder tief in den Farbtopf und führt grundsätzliche Fragen der Malerei zu überraschenden Ergebnissen. Das Mumok verspricht eine "bewusst konfrontative Hängung" der Arbeiten, auf dass Oehlens Malerei über Malerei genug visuellen Zündstoff bietet.

Mumok, Fr 19.00 (Vernissage); bis 20.10


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