Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert -Veranstaltungen im Überblick

Seriöse Unterhaltung zwischen dem E und dem U

Lexikon | Katharina Seidler | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Die Verwurstung von Clubmusik und Klassik wurde schon oft in Angriff genommen. Im simpelsten Fall legt man einfach einen Beat unter ein bekanntes klassisches Motiv, spielt es auf dem Synthesizer nach oder baut ein direktes Sample in seinen Techhouse-Track ein. Funktioniert immer. In einer durchdachteren Form äußert sich die Verbindung zwischen E und U (für immer ärgerlich, diese Bezeichnungen!) so, wie der luxemburgische Pianist Francesco Tristano das angeht. Mit seinem Trio Aufgang arbeitet er an einer gewissen Form der Improvisation, die den repetitiven, sich beständig aufbauenden Mechanismen der Clubmusik überraschend ähnlich ist. Letzte Zweifel daran haben Aufgang beim Spring Festival beseitigt, als Tristano und sein Klavier-Kollege Rami Khalifé, hinter ihren Flügeln stehend, das Publikum zum Tanzen aufforderten und das bummvolle Grazer Orpheum die Scheu vor der halb-klassischen Konzertsituation ablegte. Wen interessieren schließlich diese Grenzen.

VORSCHAU

DONNERSTAG (6.6.): Scheinbar mühelos schüttelt die Pratersauna zum Designmarkt APE ein Top-Line-up mit Hip-Hop-Tausendsassa Fid Mella und dem niederländischen Funk-Pop-Hipster The Child of Lov aus dem Ärmel. In der Galerie ViertelNeun (9., Hahngasse 14) feiert man indessen eine Woche lang den Untergang von Robert Jelineks Kunst-Staat State of Sabotage, heute mit Philipp Quehenberger.

FREITAG: Sehr super: Die norwegischen Exilösterreicher Sex Tags Mania vollführen im Club Titanic Kunsttücke zwischen House-, Disco- und Experiment-Freigeist. Beim Donaukanaltreiben treten Acts wie das Sofa Surfers Soundsystem auf. Im Café Leopold träumt der französische Synthie-Disco-Popper Collège mit seinen Freunden vom Fairlight Club, im Werk verkostet Glenn Astro organische House-Spezialitäten, und in der Fluc Wanne geht DJ Storm, die britische Grande Dame des Drum 'n'Bass, an die Arbeit. Der Berliner Subjected sieht sich in der Tradition der anonymen, frühen Detroiter Techno-Puristen und lädt zu einer ebenso maschinenschwarzen Nacht in die Grelle Forelle.

SAMSTAG: Ebenfalls mit der Nacht im Namen, aber weit farbenfroher kommt eine Hälfte des deutschen Duos Tiefschwarz für ein DJ-Set ins Flex. Im Werk versammelt sich eine heimische Techno-Delegation um Daniel Lodig, beim Istanbul Spesyial der Bretterbodendisko im Brut fördert Erkan Chinghiz Gutsingen den interkulturellen Austausch, und im Morisson verwandelt die Wienerin Tony Ross Hip-Hop-Klassiker in spukhafte, melancholische Popsongs. seidler@falter.at

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene


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