Kunst Kritik

Fact and Fiction: Dinner für eine Leiche

Lexikon | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Es sind elaborierte Storys, die Marcel van Eeden für seine Ausstellungen konstruiert. Der belgische Künstler ist ein begnadeter Zeichner, seine Grafiken erinnern an Comics ebenso wie an Stills aus Gangsterfilmen der 1940er-Jahre. Bei Georg Kargl ist mit "Restaurant" der letzte Teil einer dreiteiligen Serie zu sehen, die erfundene und reale Geschichten zusammenführt. In Wien war van Eedens Kunst zuletzt 2010 bei Bawag Contemporary zu sehen. Die aktuelle Schau ist im Vergleich zu damals kohärenter und auch dramatischer. Am Ende liegt sogar eine Leiche am Boden.

In der Ausstellung wird eine Art von Krimi inszeniert: Gleich am Beginn steht eine Vitrine, die unter anderem eine Liste von Verstorbenen enthält; um wen es sich dabei handelt, verrät erst ein Video am Ende des Rundgangs. Im Mittelpunkt des Bildzyklus steht ein gewisser Oswald Sollmann, der im Restaurant eines Hotels Geiseln nimmt. Wie es das Schicksal so will, befindet sich darunter ein alter Bekannter, der ihn an seine Verbrechen aus der Kriegszeit erinnert und dafür sterben muss. Personen sind auf den Zeichnungen fast keine zu sehen; van Eeden ist ein Meister der Ausschnitte und Andeutungen, der gern heterogene Elemente verbindet. Der Hauptsaal der Galerie liegt in Dunkelheit getaucht, man betritt dort plötzlich ein Restaurant, in dessen Ecke eine zugedeckte Leiche liegt.

Die Ausstellung beschließt jedoch ein Video, das ein reales tragisches Ereignis von 1918 bebildert. Damals wurden Kinder durch eine gefundene Granate getötet. Das Video führt in ruhigen Bildern an den Ort des Unglücks und auf den Friedhof. Van Eedens Kunst gewinnt dadurch, dass sie fiktives Drama mit dokumentarischem Material verflicht und dann doch wieder getrennt nebeneinander stehen lässt. NS

Georg Kargl Galerie, bis 22.6.


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