Film Festival

Jack lebt hier nicht mehr: "Room 237"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Die Texttafel am Beginn ist auch ein Gefahrenhinweis: Was im Folgenden über Stanley Kubricks "The Shining" zu hören ist, sei keinesfalls von den Nachlass-und Rechteverwaltern des 1999 verstorbenen Großmeisters autorisiert. Zum Beispiel über die Bedeutung der in der Lobby des Overlook-Hotels gestapelten Koffer. Oder über die Schreibmaschine Marke "Adler", auf der Jack Torrence sein Manuskript nicht schreibt. Oder über den gestrickten "Apollo 11"-Pullover seines Sohnes Danny, den dieser ausgerechnet in dem Moment trägt, als er der ermordeten Zwillinge gewahr wird. Denn alle Interpretationen, die Rodney Ascher für seine Dokumentation "Room 237" zusammengetragen hat, stammen von Verschwörungstheoretikern und Journalisten, die sich den Gruselklassiker nach dem Motto "Was Sie schon immer über ,The Shining' wissen wollten, aber Kubrick nie zu fragen wagten" auf Herz und Nieren - und das heißt hier Kader für Kader - einverleibt haben.

Das beschert einem als Zuschauer zunächst ein unterhaltsames Feuerwerk an kruden Analysen, darüber hinaus aber auch tatsächlich interessante Einblicke in Kubricks ausgeklügeltes Verwirrspiel. Dieses reicht von architektonisch unmöglichen Fenstern bis hin zu dreidimensionalen Skizzen, auf denen die Wege der einzelnen Familienmitglieder durch die Hotelgänge verlaufen. Aschers Leistung liegt vor allem in der Montage: Indem die über weite Strecken unterhaltsamen Interpretationen nur als Voice-over zu hören sind, nützt er den spekulativen Freiraum, um mit Ausschnitten aus anderen Kubrick-Filmen, Stand- und Setfotos, Archivmaterial und Schnipseln aus diversen Hollywood-Filmen ein dichtes Netz zu weben, in dem man sich in der Tat leicht verheddern kann. Also, wie war das jetzt mit dem verschwundenen Zwerg an Dannys Kinderzimmertür?

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


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