Kolumne 

Proteste in der Türkei: Taksim-Platz ist nicht gleich Tahrir-Platz

Außenpolitik

Falter & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 24/13 vom 12.06.2013

Die türkische Protestbewegung ist kein Ausläufer des Arabischen Frühlings. Auch kein Aufstand der progressiven, laizistischen Türken gegen eine reaktionäre, islamistische Regierung. Aber alle diese Elemente spielen eine wichtige Rolle. Recep Tayyip Erdoğan, der Regierungschef, ist ein Modernisierer und kein Diktator. Mit seiner AKP hat er dreimal demokratische Wahlen gewonnen, zuletzt mit fast 50 Prozent. Er hat die alte, kemalistische Elite mit ihrem kulturellen Schwerpunkt in der europäischen Metropole Istanbul durch einen neuen Mittelstand aus dem asiatischen, anatolischen Hinterland abgelöst. Mit ihm zog der Islam in das öffentliche Leben ein, der bisher autoritär dem laizistischen Nationalstaat unterstellt war.

Die türkische Gesellschaft ist mit Erdoğan liberaler, die Wirtschaft erfolgreicher, das Land international bedeutender geworden, als es unter der nationalistischen Führung in der Tradition des Staatsgründers Atatürk je gewesen war. Die Verfassung, die 1980 noch


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