Mediaforschung  

Wieso schreien die Neos auf dem Spielplatz herum, Herr Schmid?

Verführungskolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 24/13 vom 12.06.2013

Thomas Schmid von Liquid7 lässt für die liberale Kleinpartei Neos eine Dame im Trenchcoat in ein Megafon brüllen

Achtung, Achtung, bekommen Sie keine Kinder!“, brüllt die Dame in High Heels und beigem Trenchcoat auf dem Spielplatz ins Megafon. "Hören Sie auf zu arbeiten! Sie haben sowieso nichts davon!“, schreit sie am Karmelitermarkt.

Auch die Neos, Österreichs liberale Zwutschkerlpartei in Grellrosa, werben jetzt im Fernsehen. Für die Privatsender und für Youtube hat die Agentur Liquid7 zwei Spots gestaltet, und das im Zeitraffer. "Vom ersten Briefing bis zur Freigabe der Spots hatten wir zehn Tage Zeit“, erzählt Thomas Schmid, einer der Partner von Liquid7, der für die Werbespots verantwortlich zeichnet.

Gedreht wurde in Wien. Wobei manche Aufnahme der Neos, bei denen auch Kirchenvolksbegehren-Organisator Niko Alm aktiv ist, von ganz oben gestört wurde. "Wir haben für den Dreh ein leeres Setting gebraucht“, erzählt Schmid, "aber kaum hatten wir am Karmelitermarkt den Kamerakran aufgebaut, ist eine Fronleichnamsprozession durchs Bild marschiert.“

Erfahrung in Politikwerbung hat Schmid als Beobachter bei seinem früheren Arbeitgeber Ogilvy, der auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll ins Bild gesetzt hat. "Aber politische Werbung unterscheidet sich nicht von Warenwerbung“, sagt Schmid, "es geht immer darum, eine Marke aufzubauen.“

Bei den Neos macht Schmid das im Spot mit einer ziemlichen Schreierei. Das müsse auch so sein, sagt der Werber: Die größte Schwäche der Neos ist ihre fehlende Bekanntheit. Deshalb muss die Werbung auffällig sein und provozieren.


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