Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (118)

Stadtleben | aus FALTER 24/13 vom 12.06.2013

Frau Z. war im Theater der Jugend und in folgendem Dilemma gefangen: Hinter ihr saß auf dem Schoß seiner Mutter ein Kind, das in regelmäßigen Abständen "sehr geräuschvoll große Mengen Nasalsekret“ aufzog. Hätte sie, fragt Frau Z., den beiden Taschentücher anbieten dürfen?

Erst einmal, werte Frau Z., sollte man im Kindertheater mit dem Publikum weniger streng sein als zum Beispiel in der Staatsoper. Das Theater der Jugend ist ja so etwas wie das Theater für Rotznasen (in den antiautoritären Siebzigern hätte man es womöglich sogar so genannt). Freilich dürfen Sie jedoch Menschen, welche die Nase voll haben, Taschentücher anbieten. Allerdings sollte dieses Angebot nicht aus dem passiv-aggressiven Eck kommen, sondern wirklich freundlich gemeint sein. Ob darüber hinaus das Trompeten kindlichen Nasalsekrets in ein Taschentuch weniger störend ist als Aufziehen, bleibt dahingestellt.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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