Ein bisschen Schlaf muss sein

Der Lesereigen Rund um die Burg mit neuem Termin und verändertem Konzept

SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 24/13 vom 12.06.2013

Als Wiener Literaturfest ist "Rund um die Burg" eine städtische Institution. Der Lesereigen, bei dem alljährlich viele bekannte Namen der heimischen Literaturszene wie auch Sachbuchautoren oder schreibende Schauspieler im Zelt vorm Burgtheater bei freiem Eintritt Kostproben aus ihren neuen Büchern lesen, zählt zu den Fixpunkten im Veranstaltungskalender. Heuer findet "Rund um die Burg" erstmals an einem neuen Termin statt: nicht mehr im September, wo das Publikum bisweilen bei nasskaltem Wetter frieren musste, sondern schon im Juni.

Bereits im Vorjahr hat das Echo Medienhaus, das auch die Wiener Kriminacht ausrichtet, die Leitung der Veranstaltung übernommen. Als zweiten Grund für die Verlegung gilt, dass im Herbst die Literaturhäuser volles Programm machen, während im Frühsommer weit weniger Lesungen stattfinden. Man will damit auch dem Buchhandel eine Plattform für das Sommergeschäft bieten, so die Organisatoren.

50 Lesungen und 13 Stunden Programm werden am Freitag und Samstag geboten. Aus dem im Vorjahr gemachten Fehler, das beliebte Lesezelt abzuschaffen, hat man gelernt. Das Burgzelt erlebt in diesem Jahr ein Comeback, weitere Lesebühnen sind das Theater Die neue Tribüne im Keller des Café Landtmann, die Sachbuchbühne in der Bel Etage (Oppolzergasse 6, neben dem Landtmann) sowie die Kinderbuch-Bim, in der am Samstagvormittag Kinderbuchautoren lesend den Ring umkreisen.

Das Programm wurde ein wenig eingedampft. In den Nachtstunden, die bis dato mit Krimi-und Erotiklesungen verkürzt wurden, herrscht bei "Rund um die Burg" ab sofort Nachtruhe. Die letzte Freitagslesung endet um Mitternacht, am Samstag geht es ab neun Uhr wieder los. Betrachtet man das Programm, haben die Organisatoren es trotzdem ganz gut hinbekommen, die alte Tradition der Veranstaltung beizubehalten. Nirgendwo sonst können Bücherfreunde sich in so kurzer Zeit in geballter Form einen Überblick über aktuelle heimische Veröffentlichungen verschaffen - vom Roman über den Krimi und historischen Schmöker bis hin zum Kinderbuch. Bei "Rund um die Burg" trifft Quantität Qualität.

Für literarisch Hochwertiges steht die Linzer Autorin Anna Weidenholzer (Jg. 1984), die in letzter Zeit einen steilen Aufstieg erlebt hat, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Im Gegenteil: Weidenholzer überzeugt mit unaufgeregten, leisen, sorgfältig gearbeiteten Texten. Im Zentrum ihrer beiden Bücher stehen Menschen, die sonst im Schatten stehen. Der Erzählband "Der Platz des Hundes"(Mitter-Verlag), mit dem die Autorin 2011 debütierte, ist voll lose miteinander korrespondierender Außenseitergeschichten und in einer bewusst einfach gehaltenen Sprache verfasst.

Ihr Debütroman "Der Winter tut den Fischen gut" (Residenz), mit dem ihr der Durchbruch und eine Notierung auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse gelang, spielt in der Provinz -diese hat aber, wie Klaus Nüchtern in seiner Rezension schrieb, "nichts Putziges, sondern ist bloß auf eine etwas fade Art normal". Dass Weidenholzers Literatur nicht auch etwas fad ist, liegt an ihrem genauen Blick, an der Empathie, die sie ihren Figuren bei aller Härte des Lebens zuteilwerden lässt, und an ihrem Humor. Sie liest am Freitag um 18 Uhr im Burgzelt.

Ebendort gibt ab 20.30 Uhr Gustav Ernst (Jg. 1944) einige Passagen aus seinem neuen Roman "Grundlsee" (Haymon) zum Besten. Der Dramatiker und Erzähler hat den Ruf, der Mann fürs Grobe in der heimischen Literatur zu sein. Ob seines Hangs zum Kraftausdruck wird jedoch übersehen, dass Ernst auch ein sehr genauer Beobachter ist. In seinem jüngsten Prosawerk, das am Beispiel der Sommerfrische von den guten und weniger guten Tagen einer Familie erzählt, vermag er das voll auszuspielen und zeigt, dass er auch leisere Töne anschlagen kann.

Am Samstag lockt zunächst die Kinderbuch-Bim, die zu jeder vollen und halben Stunde vorm Burgtheater hält. Um 11.30 Uhr steigt die große Christine Nöstlinger (Jg. 1936) zu. Sie wird in der Bim aus ihrem Buch "Lumpenloretta" (Residenz) lesen, einem Roman für Kinder ab etwa zehn Jahren. Nöstlinger erzählt darin die Liebesgeschichte von Glatze und Loretta, die auf den ersten Blick überhaupt nichts gemeinsam zu haben scheinen.

Zum Ausklang am frühen Nachmittag bietet sich ein Besuch im Theater Die neue Tribüne an. Um 13 Uhr liest und singt dort Franz Joseph Machatschek (Jg. 1974), besser bekannt als Der Machatschek. Das Simmeringer Original hat sich als Independent-Einmannbetrieb mit witzig-originellen Texten und Liedern unter dem Motto "Original Wiener Liederatur" sein Publikum nach und nach selbst erspielt.

Vor dem Burgtheater, Theater Die Neue Tribüne, Café Landtmann, Kinderbuch-Bim, Fr 16.00-24.00, Sa 9.00-14.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige