Blaumachen mit Musikbegleitung:

Schorsch Kameruns Performance "Agora II" in der Garage X

INTERVIEW: G. STÖGER | aus FALTER 24/13 vom 12.06.2013

Der Hamburger Musiker und Regisseur Schorsch Kamerun beendet sein Festwochen-Projekt "Agora" mit drei Abenden in der Garage X, an denen Musiker diverser Wiener Szenebands mitwirken. Was ist zu erwarten?

Falter: Herr Kamerun, Sie kündigen "Agora II" als "Musiktheater-Utopie für neueste Begegnungen" an. Was heißt das denn?

Schorsch Kamerun: Ich überprüfe das Comeback der physischen Stadtplatzzusammenkünfte und gleiche das mit früheren Versammlungswünschen ab. Die aktuell Kommunizierenden wollen sich zunehmend wieder ganz nah etwas zuzwitschern.

Die Agora war der städtische Versammlungsplatz im alten Griechenland. Sie fragen nach echtem Protest in virtuellen Zeiten.

Kamerun: Ich glaube, dass die zweifellos praktische Digitalvernetzungswelt nur ein Teil sein kann von kompletter Begegnung. Die Verabredung startet auf Facebook, die Entscheidung findet auf dem Tahir-und dem Taksim-Platz statt.

Sie haben für "Agora II" eine Allstar-Band mit Wiener Szenemusikerinnen und -musikern formiert. Was wird sie spielen?

Kamerun: Ich wünsche mir bei solchen Themen breite Einflüsse, deshalb machen neben dieser tollen Allstar-Band auch noch viele andere Platzerneuerer mit. Unser Programm reicht dabei von Arik Brauer bis Orhan Pamuk.

Was ist "Agora II" eigentlich formal? Ein Konzert im Theater? Ein Theaterstück mit Musik?

Kamerun: Wir sind eine Konzertinstallation, die bewusst "blaumachen" machen will.

Ihre Wurzeln liegen im Punk, Sie haben hunderte Konzerte in lauten Clubs gespielt. Gefällt Ihnen die Aufmerksamkeit des Publikums im

Theater, oder irritiert die auch mal?

Kamerun: Ich mache ja vermehrt Musiktheater in offenen Räumen, zu Stadtprojekten oder in Fabrikhallen. Die Zuschauersituation ist selten "Guckkasten". Tatsächlich will auch ich wieder ganz direkt physisch auf den Platz oder in die Speakers' Corner. Da komme ich auch her.


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