Austellung Kritik

Ran an die Bretter: Wie moderne Nomaden bauen

Lexikon | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Es erfordert schon Überwindung, in die schwarze, teerartige Masse zu greifen. Der Spezialkunststoff wird im Betontopf durch Hitze formbar gemacht, aber trotzdem nicht heiß. Damit lassen sich dann die unbehauenen Aststücke zusammenkleben, die der in Berlin lebende kanadische Designer Jerszy Seymour an eine Wand im Mak gelehnt hat. Die Ausstellung "Nomadic Furniture 3.0" geht dem historischen und aktuellen Design von Do-it-yourself-Möbeln nach. Eine Zeitschriftengalerie führt zu Handbüchern wie "Cabinet Making for Amateurs" von 1903, dem 1938 publizierten "Girl Mechanics Manual" oder einem NS-Siedlerhandbuch von 1943. Die DIY-Bibel der 68er hieß "Whole Earth Catalog" und vermittelte mit subversivem Touch nicht nur Möbelbau, sondern auch das Gerben, Imkern oder Marihuana-Anbauen.

Das "nomadisch" im Ausstellungstitel bezieht sich jedoch auf die Selbstmachbücher von James Hennessey und Victor Papanek, die sich an häufig umziehende US-Studenten und Akademiker wandten. Sie entwickelten damals mobile Wohnkuben, die Bett, Schreibtisch und Ablage umfassten. Das Designerduo chmara.rosinke, das während der Ausstellungsdauer auch Workshops anbietet, hat eine solche Wohneinheit neu interpretiert. Unter ihrer Anleitung entstanden auch die Stühle und Tische der Schau, darunter etwa Gerrit Rietvelds bequemer "Crate Chair". Die dem Markt gewidmete Sektion zeigt, dass dieser Stuhl heute paradoxerweise fix und fertig bestellt werden kann. Produkte der jüngeren Wirtschaftsflaute sind der "Hartz IV"-Stuhl oder der "Mak-Table" von Recession Design.

In dem Ausstellungsteil, der sich den Schnellbauweisen widmet, faszinieren die digitalen Möglichkeiten von gefrästen Stuhlmodulen oder 3Dgedruckten Kunststofflampenschirmen. NS

Mak, bis 6.10.


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