Am Apparat  

Für wie viele Babys haben Sie gesorgt, Herr Mitterlehner?

Telefonkolumne

Politik | Anruf: Ruth Eisenreich | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Kinder halten Österreich jung“ heißt die neue Kampagne des Familienministeriums, die die Österreicher zum Kinderkriegen bewegen soll. Minister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erklärt, warum 800.000 Euro hier gut angelegt sind.

Herr Minister, gibt es Menschen, die nicht wissen, dass Kinder eine Gesellschaft jung halten?

Ja, sonst hätten wir eine höhere Geburtenrate als 1,43 Kinder pro Frau.

*

Hat das nicht andere Gründe?

Auch, aber die Kampagne schafft Awareness für das Thema. Andere Länder haben mit ähnlichen Kampagnen gute Erfahrungen gemacht. Wir machen das gemeinsam mit allen Familienorganisationen, parteiübergreifend.

Wie viele Leute werden sich wegen der Kampagne für Kinder entscheiden?

Die Korrelation "Familie bewerben - Geburtenrate steigt“ wäre zu stupide, das ist natürlich abhängig von den Lebensumständen. Aber ich rechne damit, dass junge Menschen mit dem Thema konfrontiert werden und sich

damit auseinandersetzen.

Wäre es nicht sinnvoller, mit 800.000 Euro Kindergartenplätze zu bezahlen?

Das ist eine recht einfache Gedankenkonstruktion, rechnen wir es noch mit hungernden Kindern in Afrika auf?

Wir machen das ja nicht entweder oder, sondern additiv. Wir versuchen auch, die Kinderbetreuung auszubauen.

Der CEO der Agentur Ogilvy, die die Kampagne gemacht hat, war früher etwa Wahlkampfleiter von Benita Ferrero-Waldner. Zufall? Ich habe nirgends eine Ausschreibung für die Kampagne gefunden.

Wir haben uns an die gesetzlichen Bestimmungen gehalten, mehrere Agenturen zu einem Pitch eingeladen und die Kampagne nach dem Inhalt ausgewählt. Ogilvy hat gewonnen und auf die Verrechnung der Kreativkosten verzichtet. Ich kann ja niemandem verbieten, dass er eine Vorgeschichte hat. Der Falter verzichtet auch nicht auf Inserate der Kampagne.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige