Kraliceks Festwochentagebuch  

Warum man im Theater nie seine Tasche abgeben soll

Notizen eines Festivalbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück (6)

Feuilleton | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Wolfgang Kralicek sah fast jede Vorstellung der Wiener Festwochen

Mittwoch, 12. Juni: Liebes Tagebuch! Heute habe ich eine lehrreiche Erfahrung gemacht: Weniger ist nicht immer mehr. Das neue Stück von Robert Lepage, "Playing Cards 1: Spades“, habe ich zum ersten Mal vor neun Monaten bei der Ruhrtriennale gesehen. Inzwischen ist die Aufführung eine halbe Stunde kürzer geworden. Aber der Abend wirkt jetzt nicht kurzweiliger, eher im Gegenteil. Die Kürzungen haben bewirkt, dass manche Szenen nicht mehr richtig funktionieren.

Das Stück spielt in einem Hotel in Las Vegas; während George Bush im Fernsehen Saddam Hussein den Krieg erklärt, kämpfen auch die Menschen im Hotel ums Überleben. Das ist toll ausgedacht, bei der Umsetzung aber hat es Meister Lepage etwas übertrieben. Die Hightech-Bühne ist fast zu ausgefuchst, die sechs tollen Schauspieler springen fast zu geschmeidig von Rolle zu Rolle. Es ist, als würde ein Magier zweieinhalb Stunden lang einen Kartentrick nach dem anderen


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