Wirst du eine Frau oder ein Blödmann?

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Das kanadische Regiewunderkind Xavier Dolan inszeniert "Laurence Anyways“ als große Transgenderoper

Da bleibt so manchem der Mund offen stehen. Mit subjektiver Kamera und zu treibenden Beats geht es durch die Straßen, die Leute schauen amüsiert, mehr noch irritiert, wer da im eng anliegenden Kostüm selbstbewussten Schritts auf sie zukommt, ready for business und bereit, die Welt aus den Angeln zu heben.

Wie anders sollte eine Geschichte über die Durchlässigkeit von Geschlechtergrenzen auch beginnen, als mit einer Entfesselung des kinematografischen Apparats? Von der ersten Szene an mobilisiert "Laurence Anyways“ ein ganzes Arsenal an gestalterischen Mitteln, dreht auf wie die frühen Werke eines François Ozon oder Pedro Almodóvar.

Zunächst jedoch blendet der Film zehn Jahre zurück, ins Montréal von 1989. Dort begegnen wir Laurence (Melvil Poupaud), einem sanften Literaturprofessor, und seiner Freundin Fred (Suzanne Clément), einer resoluten Regieassistentin. Die beiden führen


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