Buch der Stunde

Über Aporien und Abgründe der Bürgerlichkeit

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Eigentlich ist es der Stoff für einen klassischen Psychothriller: Eine respektable Familie wird von einem obskuren Nachbarn, der offenbar nicht ganz richtig im Kopf ist, terrorisiert. Nachdem die Polizei angeblich machtlos ist und auch gutes Zureden, ärztliche Hilfe oder die Aussicht auf pekuniäre Zuwendung nichts fruchten, sieht sich der Familienvater - ein nicht eben berühmter, aber doch ganz erfolgreicher Architekt - gezwungen, über die "tschetschenische Lösung“ des Problems nachzudenken.

Man kennt solche Konstellationen aus Filmen wie "Cape Fear“ (aus dem 1962er-Original noch mehr als aus Scorseses ausgestellt abgründigem Remake von 1991) oder auch den Romanen eines Ian McEwan ("Liebeswahn“, "Saturday“ …). Vom Thriller-Schema weicht der Roman insofern ab, als von Anfang an klar ist, wie die Sache ausgeht: Der Eindringling ist tot, erschossen vom Vater des Ich-Erzählers, verheiratet, zwei kleine Kinder.

Das deutsche Feuilleton hat den mittlerweile sechsten Roman des ehemaligen


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