Ohren auf  

Zwielicht, Technobeats und scharfe Schnitte

Moderne Klassik

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Die Ernst von Siemens Musikstiftung vergibt einen der wichtigsten Musikpreise überhaupt. Seit 1990 gibt es zusätzlich zum großen Preis drei Förderungen für junge Komponisten. Soeben sind die Porträt-CDs erschienen, die das Label Col legno den diesjährigen Preisträgern widmet.

Repetitorisch, beinahe hypnotisch und die Geister der Vergangenheit beschwörend klingt das Album "dark/rooms“ von Marko Nikodijevic. In seinen Stücken finden sich Anspielungen auf Liszt, Ligeti, Messiaen oder Gesualdo - von fragmentarischen Klangbildern bis zu frenetischen Wiederholungen, die Nikodijevic mit der eigenen Klangsprache verbindet und so virtuose Allusionen erzeugt. Da jagen Technobeats durch die Partitur, ein pastorales Idyll wird kreiert, Gesangstöne verschwinden im Klavierflirren, rhythmisches Ritualklopfen endet in einem halluzinatorischen Parforceritt.

Ein Waldspaziergang, Dämmerung, ein Rascheln im Dickicht - bei Ulrich Alexander Kreppein sind Nacht und Schatten Bilder für musikalische Ideen, die dem Mehrdeutigen gelten, dem Nicht-Festgelegten, kurz: dem musikalischen Zwielicht. Die drei Fantasiestücke "Windinnres“, "Nachtschattenwirbel“ und "Abendlied“ auf "Spiel der Schatten“ klingen wie poetische Wanderschaften zwischen Klang und Geräusch, Sprache und Gesang, Hell und Dunkel. Souverän beherrscht Kreppein auch die Königsgattung der Kammermusik, das Streichquartett. Das Zweite fasziniert mit einer fein differenzierten Klangfantasie und einem erstaunlichen Ausdrucksreichtum.

Zwischen Kontinuität und Unterbrechung bewegt sich die Musik des Schweizer Komponisten und Dirigenten David Philip Hefti. Sein Album "Changements“ vereint Kammermusikalisches sowie Werke für Orchester. Sinnliche Kantilenen treffen dabei auf scharfkantige Schnitte, eine Beschleunigung wird jäh unterbrochen - Stillstand. Heftis Musik nimmt den Hörer in Beschlag, führt ihn durch luzide Klanggebilde und dunkle Stimmungsbilder, lässt ihn innehalten - bis zur nächsten Überraschung oder dem nächsten Cut.


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