Prost!  

Zu nah am Wasser gebaut: neuer floraler Nearwater-Unsinn

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Römerquelle flowers

Stadtleben | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Frauen seien die zentrale Zielgruppe für die neue Nearwater-Serie "flowers“ von Römerquelle. Dieses perfide Ansinnen ist, wenn man die floral gestalteten 0,75 Einwegplastikflaschen erblickt, aus einer jahrtausende alten Geschichte der männlich-weiblichen Dichotomisierung heraus, nicht schwer zu erkennen. Der Haken: Die zart lila getönten Plastikflaschen ergeben einen wunderbaren Kontrast zu den mit besonderer Lieblosigkeit drapierten freigestellten Blumen. Gerade durch diese auffällig inszenierte stereotype Plumpheit macht dieses Getränk besonders auf sich aufmerksam.

Ein Testumdrunk mit dem Produktionsteam des Falter ergibt folgendes Ergebnis: Jasmin-Holunder schmeckt überraschenderweise, unterscheidet sich jedoch kaum von üblich abgemischten Holunderblütenkracherln, ist allerdings weniger süß. Hart wird es im zweiten und dritten Durchgang: Einigermaßen unbeschadet bleibt man noch von der Mixtur Hibiskus-Löwenzahn. Für Blödheit gestraft ist man jedoch zu glauben, da sei irgendeine Bitterkeit im Spiel. Das Getränk erinnert stark an verdünnten Pfirsicheistee. Den Höhepunkt der Verkostung bildet aber eindeutig die wundersame Mischung Veilchen-Orangenblüte: Der Duft erinnert an Raumparfums á la Wunderbaum, Brise Landhaus und dergleichen. Auch von Klostein war da die Rede. Also bitte, liebe Nearwater-Designer. Hört endlich auf mit diesen elenden Wässerchen, die auf so schmerzhafte Weise auf die Mühlen der ewigen Klischeebildmaschine klatschen. MS


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