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Seriös ist anders

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Siegfried Nagl hat eine neue Idee: Der Bürgermeister will jetzt in der Grazer Innenstadt Bettlerzonen ausweisen. Jeder, der um Geld bitten will, muss sich eine Bettlerkarte holen, in der Zone darf jeder höchstens drei Tage pro Woche betteln, so der Plan.

Ein vernünftiger Vorschlag? Er ist zumindest gehaltvoller, als einfach nur wie die FPÖ wieder nach einem generellen Bettelverbot zu rufen. Man könnte argumentieren, dass Graz ja auch für die Straßenmusiker eine solche Reglementierung hat. Vielleicht würden die Bettler an den Tagen, an denen sie betteln dürfen, mehr verdienen als jetzt? Und am Ende würde eine Zone manche Medien, Bürger und die FPÖ befrieden und Hetzern den Wind aus den Segeln nehmen?

Allein: Es ist nicht so. So wie Nagl es angegangen ist, kann man ihm sein Anliegen nicht als ernsthaftes abnehmen. Hat er es doch als Erstes der Kronen Zeitung erzählt, die seit Wochen eine aggressive Kampagne gegen Bettler fährt, und nicht etwa seinen Paktpartnern. Beim Land, das die Zone ermöglichen müsste, ist er gleich abgeblitzt, doch selbst wenn es sie ihm gewähren würde: Im Gemeinderat hätte er ohnehin keine Mehrheit dafür. Paktpartnerin FPÖ will keinen "Persilschein“ für Bettler, Partnerin SPÖ keine "umgekehrte Verbotszone“.

Trügerisch ist auch die Hoffnung, dass mit einer Zone Ruhe einkehren würde. Aggressives Betteln und Kinderbettelei sind in der Steiermark ja ohnehin verboten. Nagl und einige Politiker und Medien wollen aber immer irgendjemanden noch mehr maßregeln und abdrängen. Die Punks, die paar Leute vom Billa-Eck, die Straßenmusiker - für alle wurde schon was geregelt. Selbst wenn eine Bettelzone käme: Ruhe wäre wieder keine.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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