Fragen Sie Frau Andrea

Großer Bahnhof: der Schnitt im Biergarten

Kolumnen | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

neulich im Schweizerhaus, wir saßen gleich bei der Schank am Tisch neben geeichten Stammgästen, erzählt doch einer so was in der Richtung von: Kann schon sein, dass sich der Bua vom Alten hersetzt und dich auf einen Schnitt einladt. Was bitte ist das? Ein Schnitt von der Stelze? Radi? Ein Schnitt-zel? Bitte um Aufklärung! Und wer ist der Bua vom Alten? Einer von Kolariks Buben?

Luigi Statzer, Wieden, per Smalt

Lieber Luigi,

Ihre Vermutung, bei den Biertischnachbarn im Schweizerhaus habe es sich um Stammgäste gehandelt, dürfte hinkommen, sitzen solche doch gerne im sogenannten "Bahnhof“ - so heißt der überdachte Gastgartenbereich in unmittelbarer Nähe zur Schank. Um sich dem Mythos hinzugeben, frischeres Bier als alle anderen zu bekommen, und um die soziale Verantwortung wahrzunehmen, ihren Lieblingskellner nicht mit langen Lieferwegen zu belasten.

Wie auch immer, mit dem "Bua“ ist keiner der Schweizerhaus-Kellner gemeint, auch wenn das Novizen nach Lektüre des Bierdeckelaufdrucks "Kolarik & Buben“ gerne behaupten. Der "Bua vom Alten“ ist in unserer Geschichte höchstwahrscheinlich Jan-Karl Kolarik, der jetzige Inhaber und Sohn des legendären Schweizerhaus-Wirten Karl Kolarik, Kompagnon des schon erwähnten Herrn Buben (der tschechische Familienname bedeutet: Trommel).

Der "Schnitt“ ist keine Speise, sondern bezeichnet das Hineinschneiden eines außertourlichen Krügels in den unablässig rinnenden Bierfluss an den Zapfhähnen - ein Privileg des Wirts und ein Zeichen höchsten Respekts für einen Gast. Ein "Schnitt“ ist naturgemäß schnell eingeschenkt und deshalb stets ein mehr oder weniger halbvolles Glas mit unüblich viel Schaum.

Der Begriff ist weder wienerischen (wie der Ort) noch tschechischen (wie das Bier) und schon gar nicht schweizerischen Ursprungs (wie der Name des Hauses vermuten ließe). Größere Verbreitung hat er im süddeutschen Raum, wo er weniger das "Bier auf Haus“, serviert durch den Wirt höchstpersönlich, bezeichnet, sondern schlicht das halbvolle Bier.

Ganz anders das "Ottakringer Schnitt“. Die Hopfenmelange ist Österreichs einzige "Bier-Cuvée“ und wird aus frischem Hellen und molligem Dunklen gemischt. Prost!


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