Sacher, Digger!

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Wienpop“ heißt das Buch, über das vergangene Woche nicht nur im Falter-Headquarter geredet wurde; die ganze Stadt schien nur ein Thema zu haben: der von Kollege Gerhard Stöger initiierte Schinken über 50 Jahre Wiener Musikgeschichte. Präsentiert wurde der Wälzer in der Wien Bibliothek, was zumindest inhaltlich Sinn ergab. Immerhin erhält das Archiv im Rathaus die ungefähr 80.000 Stunden Interviewmaterial, die Stöger und seine Mitautoren Walter Gröbchen, Thomas Mießgang und Florian Obkircher mit 130 Zeit- und Ohrenzeugen von damals bis heute aufgezeichnet haben. Aus Platzgründen hätte man die Veranstaltung vielleicht besser auf den Rathausplatz verlegen sollen, denn es waren nicht nur viele Neugierige gekommen, sondern viele der Protagonisten aus dem Buch - von Marianne Mendt bis zu den junggebliebenen 1980er-Jahre-Gesichtern. Unplugged nur mit Gitarre spielten Herren von damals - Robert "Räudig“ Wolf von Chuzpe - und heute - Ja,-Paniker Andreas Spechtl - Lieder von damals. Wobei Herr Spechtl übrigens gekonnt zwei Falco-Nummern coverte und eigentlich nur über den italienischen Text in "Junge Römer“ stolperte.

Ein paar Tage später gab Andreas Spechtl dann noch einmal ein zimmerlautes Flüsterkonzert - in Hörweite zum Regenbogenparadenabschlussgedöns auf dem Heldenplatz. Nach 20 Minuten stand aber schon die Polizei im Lokal, es sei zu laut. Aber: Statt Panik gab’s ein bislang unbekanntes Ja,-Panik-Lied mit folgendem Refrain: "a.c.a.b., a.c.a.b.“. Was das heißen soll? Auf keinen Fall das übliche "all cops are bastards“, sondern: "all cats are beautiful“. Miau.

Interessant auch, dass Schüttkünstler Hermann Nitsch neuerdings auch Gebäude behübscht (Kollege Attersee hat das schon vor Jahren bei einem Kleiderkaufhaus auf der Mariahilfer Straße getan). Jedenfalls wurde vergangene Woche das Hotel-, Büro- und Wohnprojekt "Art & Garden“ in der Leopoldstadt eröffnet. Investorenvertreter Robert Wagner freute sich mit Bezirksvorsteher Karlheinz Hora und dem Aktionisten über grellgrüne Schüttbilder, die die Fassade bedecken. Aber der Künstler hat ja auch schon Sachertortenschachteln verschönert.

Deutsche in Wien: "Die Hofburg hat nicht einmal einen Pool“, beschwerte sich der Hamburger Rapper und X-Faktor-Juror Mirko Alexander Bogojeviæ, bekannter unter seinem Künstlernamen Das Bo, nach einem Wien-Besuch auf einer virtuellen Postkarte. Die Melange im Kaffeehaus "sah aus wie ein Cappuccino“ und das Schnitzel beim Figlmüller war "so groß wie ein Elefantenfußabdruck“. Das hat ihm gefallen. Dann gab es noch eine Torte mit Schlag ("Türlich, türlich. Sacher, Digger!!!“). Promotour einmal anders. Weil: "Wien war schön, und wir kommen gerne wieder.“ Sagen wir doch.

Noch schöner: "Wien schön trinken“ lautet der Titel eines Buches, das letzte Woche auch noch präsentiert wurde. Der von Vanessa Wieser herausgegebene Band (Milena Verlag) versammelt Porträts interessanter Wiener Orte, an denen man schön trinken kann. Vom Café Dezentral, über das der Nino aus Wien schreibt, bis zum Weinhaus Sittl. Aus dieser Spelunke berichtet Austrofred in Form einer launigen Gastrokritik ("Bewirtungstempo eher adagio“). Wie heißt es im Schöntrinkbuch so schön: "Saufen ist Urlaub im Kopf.“


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