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Avantgarde-Nachzügler im Reprint: "telehor"

Lexikon | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

In der Heftmitte wird ein Abo angeboten: "ich bestelle hiermit telehor - internationale zeitschrift für visuelle kultur", steht in vier Sprachen auf vorgestanzten Postkarten mit Brünner Adresse. Es blieb allerdings bei dieser Pilotnummer von "telehor", das 1936 als Nachzügler zu Avantgardepublikationen der 20er-Jahre bereits einigermaßen anachronistisch dastand: Der Medienkunstpionier und Bauhauslehrer Lászlo Moholy-Nagy, um den die Ausgabe zur Gänze kreist, emigrierte ein Jahr später in die USA. Der Faksimile-Reprint von "telehor", den Klemens Gruber und Oliver A. I. Botar nun herausgegeben haben, taugt nicht zuletzt als ein später Schnappschuss der klassischen, international orientierten Medienavantgarde - schon allein in seiner Reproduktion von Spiralbindung und viersprachiger Ausführung. Der Tonfall ist nicht frei von Wehmut, aber ungebrochen neugierig: Moholy-Nagy rechtfertigt seine Rückwendung zur Malerei, befundet aber auch die zeitgenössische Praxis des Tonfilms. Vorgestellt wird der Reprint samt Kommentarband von einer international besetzten Gesprächsrunde, darunter die Kunsthistorikerin Éva Forgács (Los Angeles). JS

Präsentation: Mo 19.15, tfm-Institut, Schreyvogelsaal


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