Kümmelschas auf Schimmelkas

Saukomisch und hundsordinär: "Warz und Schweiß", das neue Album von Trio Lepschi

Lexikon | Interview: Klaus Nüchtern | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Seit drei Jahren bilden die Brüder Stefan und Tomas Slupetzky sowie Martin Zrost das Trio Lepschi, das mit seinen virtuos-witzigen, zwischen höherem und tieferem Blödsinn changierenden Liedern die boomende Off-Wienerlied-Szene belebt. Mit "Warz und Schweiß" liegt nun das dritte Album vor, dessen Texte wieder von Stefan Slupetzky verfasst wurden - und zwar ausschließlich in Schüttelreimen. Der neue Roman des erfolgreichen Krimiautors Stefan Slupetzky ("Lemming") erscheint übrigens im September.

Falter: Können wir reden?

Stefan Slupetzky: Natürlich.

Ich meine: ohne Schüttelreime.

Slupetzky: Das wird allerdings schwierig.

Man bleibt da wohl drauf hängen?!

Slupetzky: Vollkommen! Wir sind auf Tournee mit dem Auto unterwegs, plaudern ganz normal, bis ein Ortsschild auftaucht und Stille einkehrt. Da ist klar: Der Erste, dem was einfällt, hat gewonnen!

Wie entstehen Schüttelreimsongs?

Slupetzky: Meistens fällt mir ein Reim ein, den ich für ganz toll halte. Und dann beginnt die Knochenarbeit. Bei dem Stück "Fernsehkoch" habe ich im Internet Dutzende von Kochseiten nach schüttelreimtauglichen Zutaten durchforstet.

Was war die erste brauchbare Zutat?

Slupetzky: Das weiß ich nicht mehr, aber vielleicht der "Schimmelkas"

Und wie lang braucht man für so einen Schüttelsong?

Slupetzky: Wir hatten ja bis zum Schluss kein Titellied, sodass ich mich unter diesem Leidensdruck eines Morgens hingesetzt habe und in 20 Minuten "Warz und Schweiß" geschrieben und den Herrn das weitergeleitet habe -worauf mich eine halbe Stunde später der Martin anruft und sagt: Es ist fertig komponiert. Das ist das allerdings mit Abstand das schnellste Lied, das wir je zustande gebracht haben.

Eure Schüttelreime sind - so wie die mit "Topfenstrudel" oder "Heidelbeer" aus der Schulzeit - meist obszön. Ist das Natursaubartltum oder liegt 's doch am Schüttelreim?

Slupetzky: Definitiv am Schüttelreim. Das Schwierigste ist es, einen zu finden, der nicht ordinär ist.

Hat das Schüttelreimen auch Einfluss auf Ihre Arbeit als Schriftsteller?

Slupetzky: Ich wollte meinem neuen Roman den Refrain des Liedes "Gauner" als Motto voranstellen: "Habt ihr nicht genug von diesen satten Räubern? / Wann wollt ihr die Welt von diesen Ratten säubern?" Das hat mir der Jurist meines Verlags nicht durchgehen lassen.

Weil es als Aufruf zur Selbstjustiz verstanden werden könnte?

Slupetzky: Vor allem, weil man Menschen nicht als Tiere bezeichnen darf.

Außer man singt es?!

Slupetzky: Ja, weil ein Lied im Unterschied zu einem Romanmotto nicht mit der Meinung des Autors gleichgesetzt werden muss.

Wo und wie ist das Album entstanden?

Slupetzky: Es wurde weitgehend mit dem Laptop und einem großartigen Mikrofon unterwegs und in Wien aufgenommen. Aber ich habe dann doch noch eine Woche auf einem Weingut durchgesetzt.

Wo auch was getrunken wird?

Slupetzky: Kosten tun wir dann schon.

Beim letzten Falter-Interview wurden von den Lepschis am hohen Nachmittag alkoholfreie Getränke konsumiert! Sie predigen nicht etwa Wein und trinken Wasser?!

Slupetzky: Der Tomas bleibt bis zum Konzert meist nüchtern, weil er sich mit dem Spielen sonst schwertut, aber der Martin und ich wärmen uns schon vorher auf.

Wie tut sich Trio eigentlich im Ausland? Der Dialekt ist eh schon nicht ganz einfach, und jetzt auch noch Schüttelreim?!

Slupetzky: Dafür gibt's beim jüngsten Programm relativ viele hochdeutsche Lieder. Die Schweizer haben also die gleichen Chancen, kapieren den eigentlichen Witz aber trotzdem nicht, weil der Schüttelreim in der Schweiz nämlich null Verbreitung hat. Den erkennen die als solchen gar nicht!

Und ist das neurophysiologisch und psycholinguistisch untersucht?

Slupetzky Vielleicht liegt's auch am Klima? Keine Ahnung. Wir hätten dort gerne Kurse gegeben. Aber es war Hopfen und Malz verloren. Denen hat dann halt mehr die Musik gefallen. In der Stadtkirche Darmstadt hingegen haben die Leute gejubelt! Interessant.

Brigittenauer Stadl, Sa 20.00 (Aufwärmen ab 18.30)


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