Film Neu im Kino

Schicksal auf Rädern: "The Place Beyond the Pines"

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 25/13 vom 19.06.2013

Am Anfang eine Jahrmarktsattraktion: Drei Motorräder rasen dicht an dicht in einem kugelförmigen Käfig, ohne aufeinanderzuprallen. Auch sonst steht Derek Cianfrances "The Place Beyond the Pines" im Zeichen halsbrecherischer Choreografien - in seinen tollen, von langen Handkameraeinstellungen begleiteten Ausfahrten und Verfolgungsjagden, aber genauso in seiner gewagt ausgreifenden Erzählkonstruktion.

Über drei separate Teile hinweg inszeniert Cianfrance ("Blue Valentine") ein ehrgeiziges Schicksalsdrama um Fragen von Vaterschaft und Schuld. Ryan Gosling gibt, ein paar Abstraktionsstufen unter seinem mythischen Loner aus "Drive", den Motorradartisten Luke, der Banken ausraubt, um für seinen Sohn zu sorgen. (Am berührendsten ist er, wenn er bei seinen Überfällen zu kreischen beginnt.) Bradley Cooper überzeugt als Polizist aus reichem Hause, den schlechtes Gewissen und große Erwartungen aufreiben. Aber je länger der Film dauert, desto deutlicher wird, dass alle Freude an erzählerischen Spurwechseln und atmosphärischen Texturen (Method-Genuschel, Waldlandschaften, Mike Pattons Filmmusik) nur Vorwand ist für eine angestrengt archaische Vater-Sohn-Kiste: Es wird Blut fließen, weil nur Blutsbande zählen.

Der Filmtitel übersetzt den Namen der Stadt Schenectady, wo sich die Handlung zuträgt, aus der Mohawk-Sprache. Für einen stolz ortsgebundenen Film will "The Place Beyond the Pines" aber erstaunlich wenig von seiner Welt wissen. Cianfrances Amerika der kleinen Leute wirkt mehr bei Bruce Springsteen abgepaust als selbst erlauscht. Immerhin hat er auch dessen Sinn für große Aufbruchsgesten: Wenn Gosling am Motorrad sitzt, lässt der Film den ganzen Epen-Ballast hinter sich.

In den Kinos (OmU im Filmcasino)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige