Jamie Lidell: Zum ersten Interlude Festival reist er, der britische Elektronik-Soul-Funk-Meister

INTERVIEW: FLORIAN OBKIRCHER | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Vor acht Jahren veröffentlichte Jamie Lidell das Album "Multiply". Ein elektronisches Soul-Meisterwerk, das den Weg für Amy Winehouse und Konsorten ebnete. Als das Soulrevival richtig einsetzte, war der britische Pop-Querdenker aber längst wieder woanders. Auf seinem aktuellen Album "Jamie Lidell" entwirft er Funk fürs 21. Jahrhundert; beim ersten Interlude Festival im Theater Akzent (2./3.7.) stellt er es live vor.

Falter: Sie haben "Jamie Lidell" in Nashville aufgenommen, der Hauptstadt der Country-Musik. Trotzdem tönt es elektronischer als zuletzt. Wie das?

Jamie Lidell: Meine alte Wohnung in New York war einfach zu klein, um meine ganze Synthesizer-Sammlung aufzubauen. In Nashville sieht es da ganz anders aus, mein Studio ist riesig. Endlich konnte ich die vielen elektronischen Kisten verwenden, die ich über die Jahre gesammelt hatte.

Welche Musik hat Sie bei der Aufnahme inspiriert?

Lidell: In Nashville verbringt man ziemlich viel Zeit im Auto. Deshalb höre ich oft Radio. Die meisten Sender spielen Country, aber es gibt eine tolle Funk-Station. Deren Hymne ist "Atomic Dog" von George Clinton, der Song läuft dort einmal am Tag. Das hat mich sehr inspiriert. Ich nenne mich sogar selbst spaßeshalber "Atomic Underdog".

Auf Ihrer letzten Platte "Compass" waren Popstars wie Beck und Feist zu hören. Diesmal haben Sie auf die Mithilfe prominenter Freunde verzichtet.

Lidell: Das stimmt. Ich wollte das Album persönlich gestalten, deshalb gibt es keine Gaststars. Dafür arbeitete ich intensiv mit Justin Stanley. Er half mir, den Funk-Sound der 1980er-Jahre nachzubauen. Parallel produzierte er für Prince in Minneapolis. Prince holte ihn angeblich immer selbst vom Flughafen ab. Mittagessen mit Prince sei komisch, weil er kaum sprechen würde, sagt Justin. Aber im Studio gehe Prince voll aus sich heraus -und koche über vor Kreativität. Ich hoffe, dass Justins Arbeit mit ihm ein wenig auf meine Platte abgefärbt hat.


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