Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Routine, so meint der deutsche Schauspieler Joachim Meyerhoff in seinem Abschiedsinterview, zu dem ich Wolfgang Kralicek begleiten durfte (siehe Seite 24), sei ein bösartiger Virus. Es spricht natürlich für Meyerhoff, dass er es sich trotz seiner hohen Beliebtheit in Wien und am Burgtheater nicht gemütlich machen will, aber ehrlich gesagt: Wir in der Falter-Redaktion wären ohne Routine doch geliefert! Wenn wir jede Woche die Zeitung neu erfinden und zwischenzeitlich auch noch ausströmen müssten, um "den User abzuholen“, wie das jetzt - siehe die Standard-Story von Barbara Tóth (S. 21) - immer öfter an der Tagesordnung ist, wann sollen wir dann noch Sonaten für elektrisch verstärktes Cembalo komponieren oder an unseren monochromen Stickbildern arbeiten?!

Nein, ganz ohne Routine, ohne Gleichmaß und Verlässlichkeit geht es nicht. Ein guter Redaktionsmontag etwa beginnt damit, dass Florian Klenk zu spät in die Sitzung kommt, alle Anwesenden ermahnt, zügig und konzentriert zur Sache zu sprechen, um dann viertelstundenlang Anekdoten zu erzählen. Er enthält höflich-desparate Anrufe von Barbara Blaha, die sich um 16 Uhr nach dem Verbleib der für 12.30 Uhr angekündigten Seiten erkundigt, und Anrufe der Politikkollegen, ob man eventuell Errata habe (Antwort: "Das Feuilleton irrt sich nicht!“). Das alles geschieht oft, aber nicht immer. So sicher wie das Amen im Gebet hingegen ist die meteorologische Antizyklizität des Coversujets. Wenn wir den Sommer ins Bild rücken, ist der Temperatursturz ausgemachte Sache.


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