Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Öliger Ernst

Falter & Meinung | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Die Herren Thomas Seifert und Bernhard Odehnal waren rachsüchtig. Die Rache des Journalisten ist das Archiv, also hielten sie Manfred Matzka, dem Kabinettschef des harten roten Innenministers Löschnak, seine politischen Reden von gestern vor: "Dabei bräuchten sie, die dafür verantwortlich sind, dass fremde Arbeiter anders behandelt werden als einheimische, nur in ein paar alten Broschüren Renners, Adlers, Strassers nachzusehen. Dort steht genau, was sie zu tun hätten: Wahlrecht nach einjährigem Aufenthalt, Beseitigung der Schubgesetze, gleiche soziale Ansprüche für alle Arbeiter.“ Was die beiden wollten, war klar: "Michael Häupl zum Überdenken seiner Argumentation bringen, die Öffnung der Gemeindebauten für Ausländer würden, die Leut‘ nicht verstehen.“

Alfred Noll argumentierte gegen die Abschaffung des Verbotsgesetzes für nationalsozialistische Wiederbetätigung. Der Satz, Strafen können nie adäquat auf eine Tat reagieren, sei durch und durch moralistisch. Eine solche Haltung gelte es durch Differenzierungsvermögen und Realitätssinn zu überwinden. "Niemand ist der Meinung, dass Verbote Probleme lösen können, die aus der sozial-kulturellen und ökonomischen Verfassung einer Gesellschaft entstehen. Gerichte können nicht vor der Faschismusgefahr sichern. Aber sinnlos ist ein dementsprechender Auftrag an die Gerichte keineswegs, er kann sich allenfalls als wirkungslos erweisen.“

Im Feuilleton rechnete Rudolf Burger in einem hundsgemeinen, witzigen, vier Seiten langen Text mit nichts Geringerem ab als mit dem "Denken der Postmoderne“. "Damals aber wollte ich auch so reden können, denn nichts, so meinte ich, schmückte einen Philosophen mehr als eine elegante Hermetik. Leise murmelte ich die Wörter mit. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, sie selbst in dieser Reihenfolge zu setzen. Irgendwas hatte das mit Heidegger zu tun, vermutlich mit dem späten, aber was?“ Fallbeilartig das Verdikt: "Einen postmodernen Text erkennt man sofort an einer ölig ernsthaften Bemühung um Ironie und an einem völligen Mangel an Witz.“ AT


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