Meinesgleichen

Staberls Hauspatschen sind zu groß für Claus Pándi

Falter & Meinung | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Politik der Gefühle“, so lautete der Titel eines 1987 erschienenen Essays von Josef Haslinger. Das Buch wurde ein Bestseller. Es ging darin um das Ende der Politik, um Strategien des Vergessens, die Haslinger eine "nationale Therapie“ nennt. Er schreibt: "Es gibt billige Volksvarianten. Mit dem täglichen Kauf der Neuen Kronen Zeitung ist man dabei.“ Als einen von zahlreichen Belegen zitierte Haslinger den Kronen-Zeitungs-Kolumnisten Staberl: "Vier Fünftel der Österreicher für, mitschuldig‘ zu erklären gemahnt in fataler Weise an eine der scheußlichsten Brutalitäten des Hitler-Regimes - nämlich an das barbarische Prinzip der, Sippenhaftung‘.“

Die Krone ist neuerdings vergangenheitspolitisch erfreulich ruhig geworden, auch ihre Ausländerfeindlichkeit hat sich gemildert. Aber dass ihr Kolumnist Claus Pándi sich Haslingers Kampfbegriffs bedient, um ihn umzudrehen, das geht denn doch zu weit. Zum Abzug der UN-Truppen vom Golan äußert Pándi markig, Österreich solle sich nicht vor der Uno fürchten, die Schweiz tue es auch nicht. "Für solche Gefühlspolitik sind die Eidgenossen einfach viel zu selbstbewusst.“ Wenn je etwas Gefühlspolitik war, dann der überstürzte und nur aus innenpolitischen Motiven veranlasste Abzug vom Golan. Diese Gefühlspolitik nachträglich in kühle Rationalität umzustilisieren ist ein Bubenstück. An Staberls legendäre Uno-Feindlichkeit kommt Pándi trotzdem nicht heran. Dessen Hauspatschen sind ihm noch ein paar Nummern zu groß.

Quellen:

* Josef Haslinger: Politik der Gefühle (1987), Seite 76, 99

* Claus Pándi: Gefühlspolitik, Kronen Zeitung vom 20.6., Seite 3


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