Kolumne  Außenpolitik

Wo man von der Terrasse der Villa in den Slum schauen kann

Falter & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Prägnanter als alle soziologischen Analysen bringt ein Video auf Youtube die Protestbewegung auf den Punkt: Wohin steuert ein Land, das auf dem UN-Index für menschliche Entwicklung an 85. Stelle steht und dessen Regierung 30 Milliarden US-Dollar für eine Fußball-WM und Olympische Spiele ausgibt? Zwei Events, die kurzfristiges Prestige, aber keinen nachhaltigen Nutzen für die Gesellschaft bringen?

Drei Millionen Mal wurde das Video innerhalb von vier Tagen angeklickt. In sechs Minuten zeichnet die junge Filmemacherin Carla Dauden ein Brasilien jenseits der Klischees von Samba, Sex und Fußball. 13 Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben. In manchen Bundesstaaten bis zu 20 Prozent Analphabeten. Entnervt schreit eine Ärztin in einer überfüllten Ambulanz in die Kamera, dass es kein Geld für die Grundversorgung gibt.

Wohnhäuser werden zwangsgeräumt, um Platz für Sportanlagen zu schaffen. Das indigene Kulturzentrum muss dem Museum des Olympischen Komitees weichen. Jugendliche


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