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Kann das Bundesheer Doktortitel kaufen, Herr Mayer?

Politik | Gespräch: Ruth Eisenreich | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Die künftigen Absolventen des Generalstabslehrgangs des Bundesheers dürfen sich Doktor nennen. Für den PhD-Lehrgang in Kooperation mit der Juridischen Fakultät der Uni Wien zahlt der Generalstab 500.000 Euro. Kein Titelkauf, sagt Heinz Mayer, Dekan der Fakultät.

Herr Dekan, was müssen die angehenden Generäle für ihren Doktor leisten?

Sie müssen ein Doktoratsstudium mit Lehrveranstaltungen wie "Humanitäres Völkerrecht“ und "Ethik des Militärischen“ leisten und eine Dissertation schreiben wie unsere Doktoranden auch. Der einzige Unterschied ist, dass das Vorstudium und auch das PhD-Studium nicht rein juristisch sind.

Was wird von den 500.000 Euro gezahlt?

Eine vollausgestattete Professur. Ein Kollege wird das PhD-Studium hauptamtlich betreuen und auch Mitarbeiter zur Verfügung haben.

Gibt es weitere solche Kooperationen?

An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät nicht, in anderen Bereichen kann ich es nicht ausschließen. Viele unserer Professoren unterrichten an Fachhochschulen, an der Sicherheitsakademie des Innenministeriums. Ich glaube, auch dort strebt man eine Kooperation mit einer Universität an.

Laut Verteidigungsministerium ist die Kooperation rechtswidrig. Sie sind ja selbst Jurist ...

Von unserer Seite aus ist es sicher rechtskonform, weil es zu Aufgaben der Universität gehört, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Dank Autonomie können wir solche Vereinbarungen schließen. Wie weit das von seiner Seite rechtskonform ist, muss das Ministerium beurteilen, aber ich habe da überhaupt keine Bedenken.

Mehrere Medien schrieben "Bundesheer kauft Doktorlehrgang“. Schadet das nicht dem Ansehen der Uni Wien?

Die Formulierung ist eine bösartige Unterstellung. Da gibt es nichts zu kaufen, das ist eine normale Kooperation zwischen zwei Bildungseinrichtungen, die beiden etwas nützt.


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