"Wie grausam schwer es ist, ein guter Mensch zu sein“

Politik | Rezension: Sibylle Hamann | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Die US-Journalistin Katherine Boo lebte für drei Jahre in einem Slum in Indien und erzählt von einer Elendswelt, die uns so fremd wie nahe ist

Die einbeinige Fatima nahm ein Streichholz und zündete sich an. Ihr Sari fing sofort Feuer, die Haare ebenso, denn sicherheitshalber hatte sich Fatima vorher einen ganzen Kanister Petroleum über den Kopf geleert. Ihre kleine Tochter Nuri steckte eben den Kopf durch ein Loch in der Wand und schaute zu. Es machte wuuusch!, dann machte es bumm!, dann schrie Nuri: "Meine Mutter! Sie brennt!“

Die Nachbarsbuben warfen sich mit voller Kraft gegen die Tür, doch es dauerte eine Weile, bis es ihnen gelang, das Schloss aufzubrechen.

Nuri begriff nicht ganz, was ihre Mutter da tat. Aber es folgte einer ganz eigenen Logik, einer Logik der Armen. Die einbeinige Fatima wollte ihren Nachbarn, der Familie Husain im Hüttenverschlag nebenan, etwas Böses tun. Sie wollte sich rächen für jahrelangen Spott und Hänseleien. "Ich lass nicht locker, ich reite eure


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