Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste Fußball-Ersatzdroge der Welt der Woche

Tennis gegen Fußball: Spiel, Satz und Sieg

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Abgesehen vom mäßig prickelnden Confederations Cup macht der Fußball derzeit Pause. Das ist aber kein Anlass für Trübsinn. Der Ball bleibt im Spiel, er ist nur kleiner und filziger: In Wimbledon erlebt die Tennissaison gerade ihren Höhepunkt. Tennis als Ersatzdroge für Fußball, soll das ein Witz sein?

Nein, das ist mein voller Ernst. Wimbledon ist sogar der ideale Einstieg für Fußballfans: Es ist das einzige große Turnier, das auf Rasen ausgetragen wird - zumindest der Belag ist also vertraut. Der Rest unterscheidet sich zwar fundamental, aber der Vergleich spricht klar für Tennis.

1:0 - Es gibt kein Unentschieden. Gespielt wird so lange, bis einer gewonnen hat. (Achtung, Fußballfans: Wenn der Ball im Netz zappelt, ist das beim Tennis ein Punkt für den Gegner!)

2:0 - Die Spieler sind besser angezogen. Auch das Ganzkörpertattoo hat sich im Tennis nicht durchgesetzt. (Dafür tragen Fußballer keine verkehrt aufgesetzten Schirmkappen.)

3:0 - Im Tennis sind die Deutschen schlagbar. Sogar von Österreichern. Jürgen Melzer ist zwar ein wankelmütiger Geselle, kann an guten Tagen aber fast jeden schlagen. Was sich vom ÖFB-Team - bei allen Fortschritten - nicht behaupten lässt.

4:0 - Es gibt keine Leerläufe. Abgesehen von kurzen Erholungspausen nach jedem zweiten Game geht es ununterbrochen zur Sache.

5:0 - Ein Tennismatch ist bis zum Schluss offen. Wer im Fußball zehn Minuten vor Schluss 0:5 zurückliegt, kann duschen gehen. Im Tennis kann daraus noch ein 7:5-Sieg werden.

6:0 - Im Tennis gibt es keine Fehlentscheidungen. Bei strittigen Punkten kann ein Spieler das elektronische "Hawk Eye“ anfordern.

Sehen kann man dieses tolle Spiel übrigens nur auf Sky oder SRF. Der ORF überträgt lieber Confed-Cup.


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