Da trifft jeder Streich und sitzt jede Flocke

Feuilleton | Filmkritik: Michael Pekler | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Nach sechs Jahren Pause kehrt Wong Kar-wai mit "The Grandmaster“ zur Regie und nach China zurück

In der südchinesischen Stadt Foshan regnet es in dieser Nacht des Jahres 1936 in Strömen. Die Tropfen zeichnen weiße Striche in den schwarzen Himmel. In einer engen Gasse bereitet sich ein Mann auf einen Kampf vor. In einer typischen Kung-Fu-Bewegung kreuzt er die Arme vor dem Gesicht, bevor die schwarz gewandete Meute brüllend auf ihn einstürmt. Das Wasser spritzt unter seinen Füßen und von seiner weißen Hutkrempe - ein Wirbel aus Schlägen, dem niemand standhält. "Er ist nicht schlecht“, meint der alte Meister, der das Treiben interessiert beobachtet hat. "Ich will seinen Namen wissen.“

Der einsame Kämpfer heißt Ip Man und ist ebenfalls nicht mehr der Jüngste. "Würde man das Leben in Jahreszeiten einteilen, waren meine ersten 40 Jahre der Frühling“, erzählt er. Doch nun befinde er sich bereits im Winter, ohne je Sommer und Herbst genossen zu haben. Man wird seine schwermütige


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