Ohren auf  Aus lokalem Anbau

Vinyl-News aus dem heimischen Popunderground

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Gebetsmühlenartig wird das große Vinyl-Comeback verkündet. Tatsächlich ist die Schallplatte natürlich viel zu sperrig, um in digitalen Zeiten eine echte Renaissance zu erleben. Im Unterschied zur CD wird sie aber auch nicht sterben, sondern in Nischen weiterleben. Der österreichische Popunderground ist eine dieser Nischen, alle hier besprochenen Tonträger sind nur als Vinyl und Download zu haben.

"What, Colour?“ (Fettkakao) etwa, das variantenreiche Debüt des steirischen Trios Just Friends And Lovers. Schrammeligen Lo-Fi-Indiepop der bewusst etwas spröden, zugleich aber auch verspielten Art kombinieren Veronika Adamski, Magdalena Gasser und Lina Gärtner mit Surf- und Dreampop, und sogar eine charmante Rap-Einlage hat Platz.

Ungleich härter tönt das Duo MuttTricx, das auf der LP "MuttTricx“ (Unrecords/Zach) mit Gitarre, Schlagzeug und Elektronik improvisiert. Einmal brüllt gar ein prächtiges Free-Jazz-Saxofon kurz auf, wobei MuttTricx dann bei aller Kompromisslosigkeit auch mit lyrischen Passagen überraschen.

Sehr aufwendig ist "Auf der Suche nach Jacqueline Bush“ (Early Morning Melody) gestaltet: Der 10-Inch im Klappcover liegt eine DVD mit einer Fake-Doku über die ominöse Sängerin Jacqueline Bush bei; die vier Lieder bieten leicht bekifften und dennoch sehr ausgeschlafenen 70er-Jahre-Songwriterpop in schlicht-stimmungsvollen akustischen Arrangements.

Auch Bender haben die sechs Songs von "Blender“ (Pumpkin) auf eine 10-Inch gepackt. Limitiert auf 250 Stück, vereint diese Pop-Noir, Autoren-Trip-Hop, Klavierballade und beinahe clubtaugliche Elektronik im Songformat, zusammengehalten von Rebecca Hofers einnehmendem Gesang.

Die Wiener Songwriter-Trauerweide Marilies Jagsch schließlich beendet ihr temporäres Schweigen mit der Single "RVST“ (Early Morning Melody), auf der sie zwei Lieder ihres Debüts neu interpretiert, aus dem Schatten ins Licht rückt und auf diese Weise "Distances“ in einen heimlichen Welthit verwandelt.


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