Trauern um einen Massenmörder

Feuilleton | Nachruf: Matthias Dusini | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Der Schauspieler James Gandolfini ist tot. Als Mafioso Tony Soprano verkörperte er das neoliberale Raubtier

Der US-Schauspieler James Gandolfini starb am Mittwoch letzter Woche während eines Italienaufenthalts. Sein Herz hatte versagt. Die der Todesnachricht folgende öffentliche Trauer gilt weniger dem bekannten Broadwayschauspieler, der etwa in Yasmina Rezas Familiendrama "Der Gott des Gemetzels“ auftrat. Auch seine Rolle als CIA-Direktor in Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty“ hätte ihn nicht zu jenem Star gemacht, dessen Ableben kollektive Bestürzung auslöst.

Die Tränen gelten Tony Soprano, dem Mafiaboss aus der TV-Serie "Die Sopranos“, die das Fernsehverhalten der 2000er-Jahre verändert hat. Von vielen wurden die 86 Episoden nicht im Wochentakt, sondern staffelweise konsumiert, wodurch sich Gandolfini und sein Clan ganze Nächte lang in familiäre Bezugspersonen verwandelten.

Dabei tat Tony Soprano Dinge, zu denen man eher kein libidinöses Verhältnis entwickelt: Er brachte


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