Stadtrand Urbanismuskolumne

Mit heiler Kniescheibe aus dem Gastgarten

Stadtleben | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Gäste, die ewig Fluchtachterln bestellen und beleidigt sind, wenn die Sperrstunde nicht bis zum Jüngsten Tag verschoben wird, sind die Pest! Gäste, die ihren Ärger über bürokratisch rigorose Spaßbeschränkungen am Sevierpersonal auslassen, dito. Das Pflichtbewusstsein von Kellnern aber, die ankündigen, um neun Uhr die letzte Bestellung aufzunehmen, weil um zehn der Gastgarten schließt, tendiert zur Hysterie. Die Bestimmtheit, mit der das Personal im Hof des Schottenstifts um 21.45 Uhr auf Trinkschluss drängt (kurzes Abschalten der Beleuchtung inklusive), lappt entschieden ins Unhöfliche und wird kurz darauf unverstellt aggressiv. Hier ist Schluss! Die verbleibenden zwei Schluck Bier werde man ja wohl noch austrinken dürfen?! Ja, drinnen! Auf die Frage, ob bei Freiluftkonsum die Polizei verständigt würde, meint der Kellner nur: "Zwamoi kumm i ned!“ Kurz darauf erkundigt sich ein Herr vom Habitus "Gebrochene Kniescheibe gefällig?!“, ob jemand den Chef sprechen wolle. Nein. Der Gast geht - mit intaktem Knie und dem stummen Schwur, das Zattl nie wieder zu betreten.

Klaus Nüchtern leitet das Falter-Feuilleton - im Sommer gerne auch mal vom Gastgarten aus


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