Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: roter Traubensaft

Über einen tollen Saft, der verpickt, verätzt und gendert

Stadtleben | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Die Großhandelskette Billa geht nun mit ihrem Edelsortiment Corso hausieren. Also man muss nicht mehr in die wenigen Corso-Zentren pilgern, die vor allem im Wasserkopf, im Süden und im Nahen Westen von Österreich angesiedelt sind, sondern man kann ausgewählte Produkte auch in der schäbigsten Filiale ums Eck ergattern.

Genuss mit Verantwortung - mit diesem Slogan würde sich die Luxuslinie wohl am ehesten identifizieren, wenn sie das könnte. Selbst bei der Bezeichnung der Produkte wurde zum Teil auf eine Aura des Glamourösen geachtet: "Haselnussjuwel“, "Kirschperle“, "Himbeertau“. Dahingegen wirkt das hier beschriebene Getränk mit dem Namen "Billa Corso Traubensaft“ spröde. Das gilt jedoch nicht für den Inhalt, der als vollmundig, süß und farbintensiv beschrieben werden muss. Ausgangsprodukt ist die Rebsorte Blaufränkisch, die vor allem im mittleren Burgenland aufs Beste gedeiht. Die hübsche Flasche mit Bügelverschluss unterliegt zwar keinem Pfandsystem, kann jedoch weiterverwendet werden, sofern jemand Sinn in der häuslichen Saftproduktion sieht. Da stand und steht jetzt einiges an: von Holunderblüte über Zitronenmelisse bis Kirschsaft.

Der Corso-Traubensaft sollte jedenfalls mit Wasser verdünnt werden, will man sich nicht aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts auf Dauer die Gurgel verätzen. Kaum zu glauben, da ist noch ordentlich Geschmack im Glas, wenn 1:3 gemischt wird. Und am Ende bleibt sogar eine kleine moustache an der oberen Lippe kleben! MS


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