Logbuch

Das ist natürlich komplett für den Dings

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

18.6., 11.15 Uhr Nicht gut zusammenpassende Faktoren: Temperaturen um die 40 Grad und ein mörder Darmvirus, das drei Viertel der Familie niedergestreckt hat. OMG! Während ein Mimi sich den Magen aus dem Leib reihert, keuche ich vom Fußboden her, dass ich ihm leider nicht die Haare aus dem Gesicht halten kann, ich muss mich kurz hinlegen, sonst falle ich in Ohnmacht, wie weiland bei der Kreisky-CD-Präsentation im Flex-Klo.

19.6., 10.40 Uhr Besser, aber noch lange nicht gut.

17.01 Uhr Mein Zürcher Freund Haemmerli, wer sich erinnert, der Haemmerli, der immer gebrüllt hat: Kneeeeeecht, du sollst nicht immer so viel Mutter sein, du darfst, Kneeeecht, die wichtigeren Dinge im Leben nicht von deinen Mimis verdrängen lassen, dieser Haemmerli also postet auf Facebook zwei Fotos eines Neugeborenen. Der Säugling schaut schon jetzt so vorwitzig und aufsässig, wie Haemmerli ist, die Vaterschaft lässt sich nicht verleugnen. Gratuliere, Haemmerling! Dem Posting, in dem Haemmerli brav Länge und Gewicht seines Sohns rapportiert, hat er eine Verlautbarung beigestellt: Er habe sich ja zeit seines bisherigen Lebens nicht für Kinder interessiert und sei stets froh gewesen, wenn er mit seinen bekinderten Freunden nur über alles andere habe reden dürfen, und er und die Kindsmutter gedächten nun, ebenfalls Eltern ohne Rufzeichen zu werden. Aber gewiss, Haemmerli, und das Posten von Babyfotos straft dich auch gar keine Lügen. Ich schreibe ihm ein Gratulationsmail mit dem Rat, er solle sich lieber gar nicht erst die Mühe machen, so zu tun, als sei sein Kind nicht das Wichtigste auf der Welt, das macht nämlich besonders in der ersten Zeit alles nur noch anstrengender, als es ohnehin schon ist.

15.30 Uhr Ist natürlich fürn Dings. Ich kenne das schon. Drei Monate lang werde ich von Haemmerli hören, dass doch bitte alles ganz easy sei und dass er überhaupt nicht verstehe, was ich immer gestöhnt habe. Dann wird das Kind aufwachen und ich werde lange nichts von Haemmerli hören, und nach ein paar Monaten wird Haemmerli die magischen Worte sprechen, die irgendwann alle sagen: Ich weiß nicht, wie du das mit zweien geschafft hast. Schon gut, Haemmerli, es wird alles gut.

Wo auch immer: Denn natürlich kann Haemmerli nicht wie andere Leute einfach einen Sohn in die Welt setzen, nein, es muss ein Brasilianer sein, und deshalb begab sich Haemmerli mit der bauchigen Frau ein paar Tage vor der Niederkunft in ein Flugzeug nach São Paulo. Ums Haar wäre das Kind aber Argentinier geworden, weil die bauchige Frau hatte irgendwas mit dem Visum verkackt, und man wollte sie erst nicht weiterreisen lassen. Es ging sich aber alles knapp noch aus.

25.6., 07.02 Uhr Haemmerli postet auf Facebook ein Foto, das ein strahlendes Jungelternkünstlerpaar und einen sechs Tage alten Säugling auf seiner ersten Vernissage vor lustiger Kunst zeigt. Geht schon los, ich habe es doch gesagt.


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