Phettbergs Predigtdienst

Sexuelle Abweichlys aller Zeiten

Kolumnen | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Der Fahrtendienst Gschwindl brachte mich und eze um 18.15 Uhr zur Batthyanystiege in der Hofburg zur Befeierung des heute erschienenen sechsten Bandes des SYN-Magazins für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, "Verquer - Relektüren der Abweichung“ (Lit Verlag). Ab Seite 25 sind sechseinhalb Seiten eines Interviews abgedruckt, welches Laura Greber, Melanie Konrad und Martin Krammer mit mir geführt haben.

Ohne Ton liefen dazu die ganze Zeit Filmsequenzen von alten Kunstaufnahmen von sexuellen Abweichlys aller Zeiten. Doch während die Gegenwart vor meinen Augen sich ebenfalls abspielte, konnte kein Mensch heute gewahr werden, dass doch "unser“ aktuelles (quasi "lives“) Abweichlertum auch Gegenwart ist?

Eines steht fest: Etliche Studentinnen waren gekommen mit extrem schönen, ungleich kurzen Miniröcken, die mich zwangen, ihnen nachzuschauen. Ein Jüngling, der sich als "bi“ deutete, sagte mir, dass er sich ordentlich Gedanken gemacht hatte, weil er erwartete, dass ich doch auch käme, wie kurz oder lang seine kurzen Jeans heute sein sollten oder müssten? Was doch beweist, dass es allen Menschen ein Anliegen ist, wie viel sie von sich herzeigen? Auf jeden Fall sind zurzeit die Mädchen in der Kürze am Gewinnen gegenüber den Buben! Wenn ich nur ja immer früh zum Schlafen komme, gerate ich nie mehr in den Geheimcode des Abweichlytums.

Es ist doch angenehm, wo jetzt alle wissen und mich als krank einstufen: "Wollen Sie noch etwas trinken?“ "Wollen Sie etwas essen?“ "Darf ich Ihnen noch etwas geben?“ Jetzt können eze und ich wunderbar "Bonnie & Clyde“ spielen.

Ich stachelte eze auf, wo doch jetzt alle mir anbieten, noch etwas zu essen zu geben, dass eze antworten soll, ja, nicht heute, aber morgen. Mir doch ein Pschortpackerl mitzugeben von den wunderbaren vegan-vegetarischen Salaten vom Büffet. Jedenfalls habe ich mich heute wenigstens nicht überfressen und werde mich morgen wunderbar überfrühstücken. eze schleppte waagrecht den Teller von der Hofburg zu mir in den dritten Stock hinauf. Es wäre so schade, wenn es keine Gottheit gäbe, allein wegen Mama und eze. Ich mag ruhig kaputtgehen, aber eze und Mama sollen in Ewigkeit leben, Amen.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige