Kunst Kritik

Freikörper und Kosmos: Komm, lass uns träumen

Lexikon | NS | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Überhöhung war ihre Kunst: Was in der Kunstgeschichte unter "Symbolismus" firmiert, hat opulenten bis hin zu schwülstigen Charakter. Auch die heimischen Künstler erlagen zu Ende des 19. Jahrhunderts dem Drang zum Dunklen, zur Mystik und zum Traum. Die Ausstellung "Dekadenz. Positionen des österreichischen Symbolismus" im Unteren Belvedere zeigt keine Angst vor Kitsch und versammelt antikisierende und esoterische Malerei um 1900 sowie ihre ausländischen Vorbilder. Max Klingers gewaltig überladener Schinken "Das Urteil des Paris" macht den Auftakt für den Versuch, den Historismus ebenso wie den Naturalismus abzuhängen. Mit fantasievollen Sujets und Kompositionen scheinen die Künstler eine hohe Freiheit genossen zu haben; aber es wird nicht immer klar, worauf diese Bilder hinauswollen. Und darin liegt die Stärke dieser Ausstellung: Skurrile Gemälde wie Sigmund Walter Hampels "Der Zwerg und das Weib" oder Max von Estes "Winternacht" wollen nicht gefallen und sind motivisch eigentlich platt -und doch verströmen sie etwas Beunruhigendes. Was die gezeigten Künstler am stärksten verbindet, ist ihr zweifelhaftes Frauenbild. Da wimmelt es vor Engeln in wallenden Gewändern und elfenhaften Geschöpfen, die wiederum den "Weibern", also verdunkelten Femmes fatales und pfundigen Nackten, gegenüberstehen. Eduard Veiths "Nymphen" treffen auf Gustav Klimts "Judith", Moritz von Schwinds unschuldige "Schifferin" auf Ernst Stöhrs nächtlichen Bootsakt "Das Weib". Der Einfluss von Nietzsche und Wagner wird im letzten Teil der Schau erklärt. Ob in der ohnehin so vollen Schau die plätschernde Soundkulisse von 2000 Minilautsprechern mit der "Silent Music" von Robin Minard wirklich nötig ist, bleibt -wie so vieles hier - reine Geschmacksfrage.

Belvedere, bis 13.10.


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