Eine Ausstellung im Forum Stadtpark erzählt von der Zündkraft letzter Streichhölzer

STEIERMARK | KRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Den Rauchern wird das bekannt vorkommen: Weitab der Zivilisation zu sein und nicht an alle Accessoires zur Suchtbefriedigung gedacht zu haben. Da kann das letzte Streichholz zum Fanal werden. Ähnliches wird wohl auch für Kerzenscheinliebhaber bei leichten Windböen gelten. Überhaupt hat das letzte Streichholz genug Symbolkraft, um als Bild der Krise herhalten zu können. Fand der nach Lettland emigrierte Schweizer David Schilter, der zur Belebung der lettischen Comicszene das Magazin Kuš! gestartet hat. 342 Künstler aus 52 Ländern hat er eingeladen, ihren Beitrag zum Thema "The Last Match" (bis 20.7.) auf streichholzschachtelgroßem Format beizusteuern. Ergibt eine leicht siedelbare Wanderausstellung, die nach zahlreichen Stopps zwischen Lissabon und St. Petersburg nun im Grazer Forum Stadtpark Station macht. In Reih und Glied beweisen dort hunderte, natürlich an Streichhölzern aufgehängte Bilderchen, wie breit selbst ein simples Thema interpretiert werden kann. So ein letztes Streichholz kann fad in einem reduzierten Stillleben herumstehen, psychedelische Welten eröffnen, von weniger verkohlten Artgenossen betrauert werden, Anschauungsmaterial für väterliche Ratschläge abgeben oder ein hübsches Pferd zum Einhorn machen, um nur ganz wenige Beispiele herauszugreifen. Penisassoziationen fehlen freilich auch nicht. Eine humorvolle Rauminstallation von Mārtiņš Zutis steuert Endzeitstimmung bei und integriert drei Animationsfilme. Man kann hier Stunden verbringen. Und ein Jahreskalender ist auch schon fertig. Die Krise hält ja ganz bestimmt noch weiter an.


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