Kindertheater Kritik

Pippis Fleischlaberln von Herrn Nilson

Lexikon | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Wenn die kalte Jahreszeit so lange wie heuer dauert, kann es passieren, dass man bald sämtliche Kasperl-, Puppen-und sonstigen Kindertheaterbühnen der Stadt durchhat. Was für ein Abenteuer stellt dagegen ein Besuch der Open-Air-Bühne im Römersteinbruch St. Margarethen dar, wo dieser Tage das Musical "Pippi Langstrumpf" für volle Ränge sorgt. Schon der Aufstieg vom Parkplatz macht neugierig, denn der Weg führt an den großen Rohblöcken aus Kalksandstein vorbei. Mit der Kulisse finden sich die Besucher schließlich in einem schwedischen Dorf wieder, wo Villa Kunterbunt, Schule und Leuchtturm eng beisammenstehen. Überraschenderweise hat Pippi einen leicht wienerischen Akzent und lobt die "Fleischlaberln" ihres Äffchens Herr Nilson, anstatt wie im Buch "Pfannkuchen" zu lieben. Inger Nilsson, die Pippi aus der Fernsehserie, wird wohl nie wieder eine Darstellerin toppen, aber die 1984 geborene Sängerin Elisabeth Fruhmann reißt Groß und Klein mit. Sie tanzt auch sehr flott: Zunächst dreht sie die schrille Kinderheimtante Prysselius im Kreis; dann auf dem Jahrmarkt sieht Pippis Kampf gegen den Starken Adolf wie ein Tanz mit dem Bären aus. Wo sie hinkommt, sorgt das Mädchen mit den roten Zöpfen für Wirbel. Der Frechdachs treibt die Polizisten aufs Dach und die Lehrerin in die Verzweiflung. Still wird's beim Zubettgehen, wenn Pippi von ihren Eltern träumt. Erstmals können Pippi-Fans sehen, wie deren Mutter als Engel aussieht. Zum Glück taucht am Ende Kapitän Langstrumpf als Pippis emotionaler Anker auf. Einziger Wermutstropfen der ausverkauften Produktion: Die Songs von Georg Riedel haben gar keine Eignung zum Ohrwurm. Garantiert größere Hits ertönen, wenn ab 10. Juli Puccinis "La Bohème" in der Inszenierung von Robert Dornhelm aufgeführt wird.

Römersteinbruch St. Margarethen, Sa-Mo 17.00


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