"Kinder der Iris 3": Ehret den Videoclip! Er verdient es sich doch

Steiermark | KRITIK: TIZ SCHAFFER | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Wenn man "Kinder der Iris 3" in Händen hält, beschleicht einen folgende Frage: Wo liegt der Sinn, Popvideos -in diesem Fall 16 Stück steirischer Provenienz - auf DVD zu kompilieren, wo doch all diese Videos nur ein paar Klicks entfernt auf Youtube warten? Ein Kunstprodukt aber in Händen zu halten, das bereitet stets Freude - fragen Sie einen Vinylsammler Und gerade das, was das unerschöpfliche Youtube-Füllhorn hergibt, schreit nach einer Vorselektion durch Kenner.

Aus 85 steirischen Musikvideos der letzten Jahre hat der Grazer Kunstverein Intro-Graz-Spection eine Auswahl getroffen. Das Unterfangen steht also auch im Zeichen eines liebenswürdigen Lokalpatriotismus: Schaut her, die Pop-und Videoproduktion hier kann sich sehen lassen!

Der Begleittext zur dritten Ausgabe dieser DVD-Reihe hat die Videos reizend in drei Kategorien gegliedert: Zum einen die "Naturalisten" (König Leopold oder Son of the Velvet Rat), die "Psychedeliker" vulgo Schelme (Ratrock Tot Sint Jans oder Spring and the Land), und "Spielzeugland", also Animiertes aus der Trickkiste (Klumzy Tung oder Mile Me Deaf). Diese Zuordnung sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Des Weiteren sind Arbeiten etwa für Mopedrock!!, Monica Reyes oder Effi zu sehen.

Damit hat man einen gefügigen Überblick über jene Akteure, die dieser Tage das hiesige Popschaffen attraktiv machen. Dass heutzutage Greti und Bleti bewegte Bilder ins Netz stellen, hat der Kunstform Videoclip, oft bloß noch schnödes Marketingtool, nachhaltig Schaden zugefügt. Man darf diese Gattung aber, und das macht "Kinder der Iris 3", schon die Spur ernster nehmen.


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