Literatur, Literatur, Literatur. Sonst nix!

Die Grazer Literaturzeitschrift Manuskripte feiert die 200. Ausgabe. Herausgeber ist immer noch Alfred Kolleritsch

STEIERMARK | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Alfred Kolleritsch darf als unermüdlich bezeichnet werden. Der Herausgeber der Literaturzeitschrift Manuskripte ist jetzt 83, die letzten Jahre waren ihm auch durch eine schwere Krankheit vergällt, trotzdem denkt er nicht daran, den Hut draufzuhauen. "Der Hut fällt ohnehin von alleine drauf", sagt er im Gespräch mit dem Falter.

Und so steht also die 200. Ausgabe der Manuskripte für die Präsentation bereit. Nach 53 Jahren der Herausgeberschaft hat Kolleritsch nun mehr als 70 Autoren für die Jubiläumsausgabe antreten lassen, darunter große Namen wie Jelinek, Handke oder Mayröcker. Natürlich sind auch jüngere Literatinnen und Literaten mit an Bord, seit jeher ein Wesenszug der Zeitschrift: Max Höfler etwa, Andrea Stift oder Clemens Setz.

Als die Manuskripte erstmals auf die Welt losgelassen wurden, da wehte in der Steiermark noch ein anderer Wind, da stieß gewagte Literatur noch auf einen rechten Widerstand. Damals war das junge Herausgeberteam "noch sehr hilflos", wie Kolleritsch in seiner Marginalie, dem traditionellen Vorwort, zur Jubiläumsausgabe nun schreibt. Man darf also dieser Wegbereiterschaft schon mit Demut begegnen.

Wie auch die Manuskripte selbst als Übung in Sachen Demut gesehen werden dürfen -der Literatur gegenüber. Denn in dieser Zeitschrift findet man nur eines: das geschriebene Wort. Sonst nichts. Selbst beim Coversujet zeigt man sich traditionsbewusst - es stammt, nicht das erste Mal übrigens, von Günter Brus.

Man möchte nicht respektlos erscheinen, aber tatsächlich stellt sich die Frage, wie es mit den Manuskripten einmal weitergeht, sollte Kolleritsch dafür dereinst die Kraft ausgehen. Seine Söhne Julian und Phillip sind ja heute schon im Redaktionsteam. Ob die das einmal machen werden?"Die Arbeit wird sich keiner antun", meint der Papa mit einem Augenzwinkern. Bei der Präsentation werden Vea Kaiser, Clemens Setz, Hans Eichhorn, Andrea Grill und Mathias Grilj lesen.

Schauspielhaus Graz, Ebene 3,26.6., 20.00


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