Neu im Kino

Eine Tragödie voll Musik: "The Broken Circle"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 26/13 vom 26.06.2013

Bluegrass, "die reinste Form von Countrymusik", ist die Leidenschaft des Banjospielers und Sängers Didier. Als er die Tattookünstlerin Elise kennenlernt, beginnen die beiden nicht nur eine intensive Liebesbeziehung, Elise wird auch Bandmitglied. Das Glück zerfällt jedoch, als ihre gemeinsame Tochter Maybelle an Krebs erkrankt. Musik ist ein wichtiges Element des belgischen Spielfilms "The Broken Circle", in dem die Hauptdarsteller Veerle Baetens und Johan Heldenbergh als großartige Sänger zu hören sind. Der schöne Soundtrack begleitet und ergänzt die Handlung, schwächt sie ab. Besonders ist auch die formale Gestaltung: Felix van Groeningens Werk erzählt nicht linear, sondern ist ein verschachteltes Konstrukt aus Rückblicken und Vorschauen, in denen einmal Didiers, einmal Elises Erinnerungen und Emotionen im Mittelpunkt stehen. Dies bedingt einen Zustand der Gleichzeitigkeit, ein tiefes Eintauchen in die Geschichte. Trotzdem oder gerade deshalb haben die Figuren etwas Unnahbares: Keine "allwissende" Erzählebene vermittelt Didiers und Elises Motivationen, als die tragische Handlung unbarmherzig fortschreitet. Nachdem zunächst längere Sequenzen die Vergangenheit zeigen, wird das Mosaik der Erzählung immer kleinteiliger, durchmischen sich immer kürzere Szenen. Schließlich sind es einzelne Sätze und Handlungen, an denen sich zerstörerische Diskussionen über Leben und Tod, Religion und Schuld entzünden. Offen bleibt - sei dies eine Schwäche oder nicht -, ob diese Streitgespräche einer realistischen Zeichnung polemisierender, exzentrischer Figuren geschuldet sind, einen symbolischen Anteil haben oder psychologische Ausweichmanöver darstellen. Es mag etwas von allem sein, das diesen Film am Abgrund ausmacht.

Bereits im Kino (OmU im Votiv)


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