Enthusiasmuskolumne  

Der Liptauerigel, der laufen kann

Diesmal: das beste Hangout der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/13 vom 03.07.2013

Unter der stehenden Wendung "Cooles Hangout!“ werden Ensembles rubriziert, zu deren konstitutiven Bestandteilen Tische, Sessel und eine Schank/Theke zählen, nicht aber unbedingt ein Dach. Ein Hangout ist, wie der Name schon sagt, ein Ort, an dem sich gut abhängen lässt. Von anderen Orten physischer und seelischer Rekreation unterscheidet sich das Hangout durch den Umstand, dass das Ambiente wichtiger ist als das Angebot an Gütern und Dienstleistungen. Im Grunde genommen ist Flaschenbier ein absolut hinreichendes Angebot - es heißt ja nicht umsonst "Hangout“ und nicht "Dineout“.

Gut ist es auch, wenn Hangouts ein bisschen far out sind. Ein Hangout am Graben ist eigentlich Unfug, wo nicht gar eine Contradictio in Adjecto, ein Hangout an der Kuchelauer Hafenstraße 1a hingegen - ganz, ganz gute Adresse!

Die Jausenstation Trummer steuert man am besten mit dem Radl an (man kann aber auch den Bus 239 bis zum Kahlenbergerdorf nehmen). Gastrokritiker und Dienstleistungsbenörgelungskolumnisten haben hier nichts verloren: Es herrschen Aufstrichbrot und Selbstbedienung (der Marillenkuchen war freilich hervorragend). Der Gastgarten, von wo aus man einen super Blick auf den Yachthafen hat, ist von der Labestation durch eine Straße getrennt und wird, wie die Recherchen des Falter ergaben, auch von einem minderjährigen Igel frequentiert.

Man könnte sich also eine Portion Liptauer kaufen, den stacheligen Gesellen damit einschmieren und hätte dann einen Liptauerigel, der tatsächlich laufen kann - und zwar erstaunlich flott. Vermutlich ist das aber unethisch. Noch schlimmer wäre es allerdings, dem Igel, der to-tal süüüüß ist, stöße was zu. Bitte, bitte, liebe Hafenstraßenradler: Gebt Obacht und fahrt den Igel und mich nicht kaputt!


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