Buch der Stunde

Helikopter-Eltern und die Gewalt der Freundlichkeit

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 27/13 vom 03.07.2013

Das ist Johann, und er hat ein Aggressionsproblem.“ Wenn Jesper Juul früher solch eine Diagnose gehört hat, war er noch erstaunt. Mittlerweile wird er selbst aggressiv - oder ärgert sich zumindest. Aus diesem Anlass hat er nun ein Buch verfasst. Es trägt den simplen Titel "Aggression“ und behandelt eine der derzeit wohl am stärksten tabuisierten Emotionen. Johann, befindet Juul, hat kein Problem. Ein Problem hat das System, das sind seine Eltern und Erzieher, die wütende Kinder (zu 95 Prozent handelt es sich um Buben) diskriminieren und dabei deren Gesundheit und Selbstwertgefühl aufs Spiel setzen.

Denn dieses System wertet aggressives Reagieren per se als primitiv und defizitär ab und erwartet auch von Vierjährigen, sich mit Argumenten verständlich zu machen. Der derzeit wohl bekannteste Familientherapeut nennt diese Tendenz, die bedeutsame Emotionen, ob in der Familie oder institutionellen Betreuung, nicht willkommen heißt, "Botox-Syndrom der Seele“. Überprotektive "Helikopter-Mütter“


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